Kreisgruppe Mettmann
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BUNDnessel Radio vom 2.5.2021

Liebe Hörerinnen und Hörer!

Im Mittelpunkt steht heute ein ganz wichtiges Thema, die Mietpreise. Der Berliner Senat hat versucht, das Problem mit einer Mietbremse zu reduzieren, was durch das Bundesverwaltungsgericht jetzt untersagt worden ist. Dazu gibt es einen Kommentar in unserer Sendung.

Für Ratingen stellen wir ein außergewöhnliches Wohnprojekt vor. In Wülfrath soll gerade nach dem üblichen Verfahren ein Wohngebiet durch einen Investor bebaut werden.

Vor 2 Monaten fand in Monheim die Klimadiskussion statt. Wir senden heute eine Bewertung des Ergebnisses.

Wasserstoff ist in aller Munde, VW, BMW und Daimler haben sich gegen den Wasserstoffantrieb bei PKWs entschieden, mit gutem Grund.

Wir werfen einen Blick auf die Haaner Felsenquelle.

Dazu spricht sich der BUND gegen den Mercosurvertrag mit Südamerika aus.

Fenster zu, wenn die Heizung läuft, Licht aus, wenn man das Büro verlässt, beidseitig drucken und den Computer nicht über Nacht laufen lassen – Ressourcenschonung am Arbeitsplatz beginnt schon bei Kleinigkeiten. „Aktiver Klimaschutz bedeutet, in allen Geschäftsbereichen Emissionen klein zu halten“, bekräftigt Maximilian Lein, Marketingleiter bei der Haaner Felsenquelle. Getreu diesem Credo nahm das Unternehmen im Jahr 2018 Kontakt zum Klimaberatungs-Anbieter ClimatePartner auf – und ließ seine eigene Klimabilanz aufstellen.

„Mit ökologischer Nachhaltigkeit hatten wir uns schon lange befasst“, betont Geschäftsführer Stephan Römer,. Mit einem unabhängigen Partner und Zertifikat wolle man aber noch einen Schritt weitergehen. Auf den Prüfstand kam alles – vom Büromaterial über die Anfahrt der rund 100 Mitarbeiter an der Flurstraße bis hin zur Herstellungskette – mit der Zielsetzung, überall, wo es möglich ist, CO2-Emissionen einzusparen.

Die selbst gestellten Hausaufgaben arbeitet das Familienunternehmen nach und nach ab: In der Produktion macht sich der Traditionsbetrieb die Wärmerückgewinnung zunutze, baut die bestehende Photovoltaik-Anlage auf dem Dach aus und stellt die Beleuchtung auf Leuchtdioden-Technik um. Fünf der sieben Gabelstapler fahren inzwischen bereits mit Strom, zwei weitere neue Fahrzeuge werden wohl in den nächsten Monaten dazu stoßen. Mitarbeiter können auf ein „Job-Rad“ zurückgreifen, mittelfristig sollen auch die Außendienstler mit E-Autos unterwegs sein. In etwas fernerer Zukunft – wenn es die Entwicklung möglich mache – hoffe er auch auf Lastwagen ohne Verbrennungsmotor, sagt Stephan Römer, der gemeinsam mit Bruder Thomas die jüngste Generation der Unternehmensführung bildet.

Insgesamt sei der Getränkehersteller durch die regionale Vermarktung und die kurzen Wege schon recht umweltfreundlich aufgestellt. „Wir machen schließlich den Hauptumsatz im Radius von 50 Kilometern“, sagt Stephan Römer. Im Gegensatz zu anderen Herstellern setzt das Unternehmen auch heute zum größten Teil auf Glasflaschen. „Wir erfüllen eine Mehrwegquote von 75 Prozent, die bei uns gleichbedeutend mit der Glasquote ist“, erklärt der Geschäftsführer. Die relativ geringen Strecken zur Auslieferung der hauseigenen Produkte kämen dem entgegen. Bei längeren Transportwegen würde sich das Gewicht der Glasflaschen im Vergleich etwa zu Mehrweg-Plastikflaschen nachteilig auf die CO2-Bilanz auswirken. Die Haaner Felsenquelle ist Träger des Umweltpreises der BUND Kreisgruppe aus dem Jahr 1999.

Quelle: 7.4.21 WZ

 

In Monheim setzen Politik und Verwaltung auf Bausteine wie erneuerbare Energien, umweltfreundliche Mobilität, die Stärkung von ÖPNV und Radverkehr, moderne Gebäude sowie nachhaltige und innovative Technologien im Rahmen der Smart-City-Pojekte, heißt es im Mitmachportal

Die Peto-Partei hat das Ergebnis der Kommunalwahl als ein „weiter so“ aufgefasst. Eine sofortige Trendwende fordern hingegen die „grün“ denkenden Bürger dieser Stadt auf dem städtischen „mitdenken“-Portal zum Thema Klimaschutz. Die Stadt hatte die Bürger zu dem „Gedankenspiel“ angeregt, wie Maßnahmen für ein klimaneutrales Monheim im Jahre 2035 aussehen könnten.

Rolf L. beschwört beispielsweise die Vision, dass sich die Stadt von ihrer Politik, immer mehr Neubürger anzusiedeln und damit immer mehr Grünflächen zu versiegeln, verabschiedet hat. Neuer Wohnraum wird allein durch den Ausbau des Altbestandes gewonnen. Eher mehr als weniger Grün wünschen sich auch andere. Bei der Forderung nach Entsiegelung nehmen viele der Diskutierenden auch die Bürger in die Pflicht: Sie sollen ihre Schottervorgärten beseitigen und durch Grün ersetzen. Durch Dach- und Fassadenbegrünung könne der Anteil an Grünflächen vermehrt werden, schlägt nicht nur der Imker Detlev Garn vor.

Wie ein roter Faden zieht sich durch fast alle Beiträge die Forderung nach einer kommunalen Förderung privater Anlagen“, schreibt beispielsweise Deborah Previti. An die Mega richtet sich die Erwartung, künftig nicht nur „grün gewaschenen“ zertifizierten Ökostrom zu liefern, sondern Strom durch erneuerbare Energien selber vor Ort zu produzieren.

Die Forumsteilnehmer würden auch die Verkehrswende mittragen und machen viele Vorschläge, um den individuellen Pkw-Verkehr zurückzudrängen. Den öffentlichen Nahverkehr empfinden viele Monheimer offenbar als zu träge und starr. So wünscht sich Elke „ein engmaschigeres Busnetz mit kleinen Bussen“, und Peter aus Baumberg würde am liebsten „vor der Haustüre abgeholt werden“. Das – endlich – ausgebaute Radwegenetz, das auch das Berliner Viertel einbezieht, solle durch Reparaturstationen und Fahrradparkhäuser an den Schnittstellen, wie den S-Bahnhöfen, ergänzt werden.

Dass hier die Bürger nur zu „Gedankenspielen“ angeregt werden, die mutmaßlich keine Aussicht auf eine Umsetzung haben, kritisiert Regina Wegner. Sie weist darauf hin, dass viele der Vorschläge, insbesondere zur Dach- und Fassadenbegrünung auf öffentlichen Gebäuden oder die solargerechte Ausrichtung von Neubaudächern, bereits von den Grünen gefordert und allesamt von der Peto-Mehrheit abgelehnt wurden. Auch habe der Bürgermeister bereits diversen grünen Initiativen den Wind aus den Segeln genommen, indem er ankündigte, dass Windkraftanlagen ebensowenig geplant seien wie Wärmekarten oder die Untersuchung von Klimafolgeschäden von Neubauprojekten.

Quelle: WZ 24.3.21

Wülfrath: Einige Anmerkungen zum B-Plan Haselnußweg

Es ist schon etwas problematisch, einen über 25 Jahre alten B-Plan wieder aufleben und die Fläche unverändert bebauen zu lassen. Das betrifft nicht nur die Probleme bei der Zuwegung. Die ursprüngliche Planung sieht eine Bebauung mit 1-2 Familienhäusern vor. Da die Stadt Wülfrath nicht in der Lage ist, einen derartige Bauvorhaben zu stemmen wurde das Gebiet vor allem an 2 Investoren vergeben.

Mittlerweile hat sich der Wohnungsbedarf geändert! In der Region werden kleine bezahlbare Wohnungen benötigt und keine Einfamilienhäuser. Die Bebauung geht also völlig am Bedarf vorbei! Dass ein sehr großes Interesse an den Grundstücken, bzw. den Häusern bestand, erklärt sich weniger am Wohnraumbedarf sondern daran, dass ein eigenes Haus bei der heutigen europäischen Zinspolitik noch die beste Geldanlage zu sein scheint.

Aus Naturschutzgründen ist schon mal das Fehlen einer artenschutzrechtlichen Prüfung oder mindestens Vorprüfung verblüffend. Diese Prüfung gab es im Jahr 1994 noch nicht, in der Umweltverträglichkeitsprüfung ist aber schon damals auf die Empfindlichkeit des Gebietes hingewiesen worden. Im Jahr 2012 hat die Stadt für den B-Plan „Alte Kölnische Landstrasse“ noch ein Artenschutzgutachten erstellt. Am Haselnussweg mit seinem artenschutzrechtlich sicher problematischen Siepengebiet noch nicht! Vermutet die Stadt zu viel Probleme mit dem Artenschutz?

Bebauung findet wie meist auf landwirtschaftlicher Fläche statt. Die landwirtschaftliche Fläche in Wülfrath hat sich vom Jahr 1994 bis zum Jahr 2019 um 27% verringert. Dies liegt natürlich nicht nur an der großzügigen Wohnbauplanung aber auch! Wir können uns einen weiteren Verlust an landwirtschaftlicher Fläche gar nicht mehr leisten! Die Bevölkerung ist im selben Zeitraum leicht gesunken! Die umfangreichen Bebauungen der letzten Jahre haben also nicht zu einem Bevölkerungswachstum geführt.

Der Vermutung, wir würden den Bürgern keine Einfamilienhäuser gönnen, können wir leicht entgegentreten! Die Hälfte der Wülfrather Wohnfläche befindet sich in Ein- und Zwei-Familienhäusern. Fast jede/r vierte Wülfrather/in ist über 65 Jahre alt. Im Verlauf der nächsten 10 Jahr wird bei vielen dieser Altersgruppe der Gedanke an eine kleinere Wohnung kommen! Das würde bedeuten, dass Häuser den Besitzer wechseln werden. Häuser, die man zwar energetisch verbessern muss, aber oft attraktivere Grundstücke und die bessere Lage haben, ganz ohne eine weitere Flächenversiegelung!

Quelle: BUND Ortsgruppe Wülfrath 31.3.21

„Für viele ist der Standort Alte Feuerwache in Ratingen schon jetzt eine neue Heimat geworden“, freut sich Martin Tönnes, der sich dem Projekt Wohnen Innovativ in Ratingen (WIR) verschrieben hat. In 44 Wohnungen sollen Menschen jeden Alters eine Gemeinschaft bilden. „Der Zusammenhalt ist stark“, so Tönnes. Und das, obwohl das Gelände noch gar nicht bebaut ist.

Ute ist sei Anfang des Jahres „Mitmacherin“, wie sie es selbst nennt. „Seitdem mein Sohn studienbedingt ausgezogen ist und in einer Wohngemeinschaft wohnt, wird mir bewusst, was mir fehlt. Auch ich möchte gerne wieder in einer Gemeinschaft leben“, sagt sie. „Dieses Mehrgenerationenprojekt ist genau das, was ich mir wünsche, um gemeinsam alt zu werden und trotzdem jung zu bleiben mit Kindern um mich herum.

Axel ist alleinerziehender Vater eines zweijährigen Sohnes und hält es mit dem Sprichwort: „Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ Er hofft: „Im Sommer abends vielleicht ein gemeinsames Bierchen trinken, gemeinsam grillen, lachen, so stelle ich mir eine gute Gemeinschaft vor. Und vielleicht hat der ein oder andere auch Lust, mich beim Großziehen meines Sohnes zu unterstützen.

Da könnte er bei Mareijke eine offene Tür finden. „Ich freue mich auf die Kinder und ich hätte Spaß daran, mit ihnen ein Projekt zu gestalten. Ich freue mich auf die vielen interessanten Menschen, die so viele verschiedene Impulse einbringen, ich freue mich darauf, gemeinsam Dinge zu planen und zu unternehmen.

Ähnlich geht es Gitta. Sie ist gespannt auf Menschen aus verschiedenen Altersgruppen und Gesellschaftsschichten. „Ich freue mich, neben meinen Enkeln auch die Kinder aus dem Projekt ein wenig zu begleiten, vor allem wenn unsere alleinerziehenden Mütter einmal vor großen Herausforderungen stehen. Aber auch der Einkauf für einen Erkrankten oder einfach mal das Zuhören in belastenden Situationen möchte ich leisten und hoffe auf Hilfe, wenn ich selber sie brauche. Die netten Menschen im Projekt, die ich bislang kennengelernt habe, geben mir die Zuversicht, dass es ein gelungenes Vorhaben wird.“

13 Wohnungen stehen derzeit noch zur Verfügung, die meisten von ihnen familiengerecht, zum Teil mit Garten. Die Mitglieder bestimmen selbst über die Zusammensetzung der Gruppe und suchen sich ihre direkten Nachbarn aus. Darüber hinaus haben sie ein hohes Maß an Mitsprachemöglichkeiten, was die individuelle Gestaltung der Wohnungen und Außenanlagen angeht.
Basis des Projekts ist eine Genossenschaft, in der jeder von Beginn an Mitspracherecht hat. Durch die gemeinsame Planung entsteht bereits vor dem Einzug eine Bindung zwischen den zukünftigen Nachbarn. Informationen zu den verfügbaren Wohnungen inklusive Grundriss und Stimmen künftiger Bewohner und Ansprechpartner gibt es auf der Internetseite des gemeinschaftlichen Wohnprojektes.

Quelle: 7.4.21 WZ

Kommentar in der Taz von Jasmin Kalarickal zum Karlsruher Mietendeckel-Urteil

Wahlkampfthema Wohnungsfrage

Das Bundesverfassungsgericht hat den Berliner Mietendeckel gekippt – und damit den ambitionierten Versuch einer Landesregierung, in einem komplett wahnsinnig gewordenen Mietmarkt die Reißleine zu ziehen. Das Instrument war eine Reaktion darauf, dass auf Bundesebene in der Vergangenheit viel zu wenig passiert ist. Dass das Einfrieren von Mieten über einen begrenzten Zeitraum und das Festlegen einer Mietobergrenze überhaupt als radikaler Schritt bezeichnet wird, zeigt nur, wie asozial die Wohnraumfrage von manchen beantwortet wird.

Dass das Thema so stark polarisiert, weist auch auf die soziale Spaltung der Gesellschaft hin. Es gibt die, die kaufen können und denen Mietpreise herzlich egal sein können – und es gibt die, die sich das niemals leisten können. Der Kern der Wohnraumfrage ist: Wollen wir mehr Gemeinwohl oder noch mehr Profit? Wenn das Bundesverfassungsgericht jetzt entschieden hat, dass das Land Berlin beim Mietpreisrecht keine Gesetzgebungsbefugnis hat, dann heißt es nicht, den Kopf in den Sand zu stecken, sondern zu schauen, was denn auf Bundesebene möglich ist.

Die Frage nach bezahlbarem Wohnraum ist eine der großen sozialen Fragen unserer Zeit, und sie weist weit über Berlin hinaus. Das werden zum Beispiel Münchner:innen genauso sehen – unabhängig vom Parteibuch. Über die Hälfte der Menschen in Deutschland lebt zur Miete. Was heißt es eigentlich, wenn wir sagen, Eigentum verpflichtet? Die Realität in großen Städten spricht eine eindeutige Sprache. Im Jahr 2019 haben in dicht besiedelten Gebieten Deutschlands 16,2 Prozent der Haushalte mehr als 40 Prozent des verfügbaren Nettoeinkommens fürs Wohnen ausgegeben. Wohnen darf nicht zum Luxusgut verkommen, denn das gefährdet den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Es bleibt richtig, Kostensteigerungen bei den Mieten effektiver begrenzen zu wollen. Natürlich muss auch neu und schneller gebaut werden. Und wir sollten über die Einführung einer neuen Wohngemeinnützigkeit sprechen. Aber der Mietendeckel war nie darauf ausgelegt, alle Wohnraumprobleme Deutschlands zu lösen. Bezahlbarer Wohnraum und Wege dahin – das wird ein Topthema bei der Bundestagswahl werden.

Auch wenn vor 20 Jahren unter rot-roten und rot-grünen Landesregierungen öffentliche Wohnbestände verscherbelt wurden, so bleibt doch klar, auf wessen Seite FDP und CDU stehen – es waren Abgeordnete dieser Parteien, die in Karlsruhe geklagt haben – auf der Seite der Eigentümer:innen und der Immobilienlobby. Das sollte jeder Person klar sein, die im September zur Wahl geht.

Quelle taz 16.4.21 Jasmin Kalarickal

VW, Mercedes & Co. verabschieden sich von ihren Wasserstoff-Träumen

Während Toyota und Hyundai immer noch mit Hochdruck an der Wasserstoff-Technologie arbeiten, glaubt der Großteil der europäischen Konzerne im PKW-Bereich nicht mehr an den H2-Durchbruch. VW-Chef Herbert Diess hält den Antrieb selbst bei Langstrecken-LKW für zu kostenintensiv. Diess hat in seiner Zeit als BMW-Ingenieur selbst an Fahrzeugkonzepten mit Wasserstoffantrieb gearbeitet, zweifelt aber im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten selbst im LKW-Bereich die Sinnhaftigkeit des Antriebskonzepts an. Wasserstoff ist so teuer, dass sich die Kosten pro Kilometer im Vergleich zum einem batterieelektrischen LKW verdreifachen würden.“

Die derzeit schlecht ausgebaute Infrastruktur tut ihr Übriges. Von dem mindestens 79.000 Euro teuren, dafür aber vergleichsweise gut ausgestatteten Südkoreaner Nexo wurden 2019 lediglich knapp 4.500 Stück gebaut. Trotzdem treiben die beiden Konzerne die Entwicklung auf diesem Gebiet mit voller Kraft voran, was auch an dem starken politischen Willen in den beiden asiatischen Ländern liegt.

Wie die „Financial Times“ berichtet, haben die meisten europäischen Autokonzerne ihre Wasserstoff-Pläne mittlerweile weitestgehend begraben. Stattdessen möchten sie sich im PKW-Bereich konsequent auf batterieelektrisch angetriebene Fahrzeuge konzentrieren.

Allen voran werden viele Kunden derzeit von der international dürftigen Infrastruktur abgeschreckt. Trotz staatlicher Förderungen seit 2007 gibt es laut dem Anbieter H2.LIVE hierzulande derzeit nur 91 Tankstellen, Insgesamt sind es in ganz Europa nur 180 Stück. Zum Vergleich: Benzin konnte im vergangenen Jahr an insgesamt 14.400 Orten gezapft werden.

Zudem sind die Wasserstoffmodelle in der Anschaffung deutlich teurer als vergleichbare Benziner oder E-Autos. Während letztere zwar über eine üppig dimensionierte und kostenintensive Lithium-Ionen-Batterie verfügen, sind sie technisch deutlich einfacher aufgebaut. Der Wirkungsgrad der Brennstoffzelle ist mit rund 65 Prozent zwar doppelt so hoch wie bei einem Verbrennungsmotor. Batterieelektrisch angetriebene Fahrzeuge sind aber deutlich effizienter als Wasserstoffautos.

Als Abgas fällt bei Brennstoffzellenautos tatsächlich nur unschädlicher Wasserdampf an. Die Produktion von H2 ist aber in den meisten Fällen noch alles andere als klimaneutral. Die Herstellung von grünen Wasserstoff ist zwar in der Theorie bereits möglich. Hierbei wird die Elektrolyse von Wasser ausschließlich mit Strom durchgeführt, der komplett aus erneuerbaren und klimaneutralen Energien stammt. Diese Methode ist derzeit jedoch noch sehr kostenintensiv und wird deshalb nur im kleinen Maßstab eingesetzt. Der große Durchbruch wird hier zwar schon seit langem prophezeit, bisher ist er jedoch noch nicht eingetroffen.

Quelle: Wirtschaftswoche Elias Holdenried 31 März 2021

Entwaldung, Landraub, unmenschliche Arbeitsbedingungen im brasilianischen Fleischsektor – Der BUND fordert Stopp des EU-Mercosur-Handelsabkommens

Fleischproduktion geht einher mit Entwaldung, Landraub und Zwangsarbeitsverhältnissen. Das belegt ein neuer Bericht der brasilianischen Organisation Réporter Brasil und Friends of the Earth Europe, dem europäischen Dachverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Angesichts alarmierender Folgen für Umwelt, Menschenrechte und das Klima fordert der BUND den Stopp des Abkommens zwischen Europäischer Union und den Mercosur-Staaten. „Das Mercosur-Abkommen fördert den Export von Rindfleisch und anderen Fleischprodukten nach Europa, deren Produktion massiv zur Entwaldung und Menschenrechtsverletzungen in Südamerika beiträgt“, mahnt Sarah Hoesch, Wirtschaftsexpertin beim BUND

Die Fläche Brasiliens wird zu etwa 19 Prozent von der Viehwirtschaft beansprucht, kein anderer wirtschaftlicher Produktionssektor nimmt so viel Platz ein. Die Viehwirtschaft hat enorme Auswirkungen auf das Klima: Zwischen 1990 und 2018 war sie für 80 Prozent der Klimagase verantwortlich. Auch der Anbau von Soja, beispielsweise für die Futtermittelherstellung, dehnt sich immer weiter aus.

Große Fleischproduzenten Brasiliens stehen in der Pflicht, ihre Produktion effektiv und lückenlos zu überwachen, um Entwaldung und Menschenrechtsverletzungen aus ihren Lieferketten auszuschließen. Der Bericht zeigt jedoch, dass in dieser Überwachung weiterhin Schlupflöcher bestehen, beispielsweise durch Herkunftsverschleierung. „Zwischen 140 in Brasilien tätigen Fleischunternehmen, darunter die vier marktbeherrschenden, und dem brasilianischen Staat bestehen seit 2009 Vereinbarungen, welche die Schlachtung von Tieren aus Viehhaltung in Zusammenhang mit illegaler Entwaldung untersagen. Doch Farmen, die Vieh in entwaldeten Gebieten halten, schleusen ihre Tiere häufig einfach auf andere, nicht sanktionierte Farmen, die dann die Schlachthäuser beliefern“, erklärt Hoesch. Brasilianische Fleischprodukte finden sich auch in den Sortimenten deutscher Supermärkte wie Aldi, Rewe und Lidl. 

Das Abkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten wird den Handel mit Rindfleisch und anderen landwirtschaftlichen Produkten weiter antreiben, insbesondere durch zollbegünstigte Einfuhrquoten. „Davon profitieren vor allem die multinationalen Fleischproduzenten. „Der Schutz von biologischer Vielfalt und Klima im Abkommen erfolgt mehr oder weniger in Form von Absichtserklärungen, die keinerlei Durchsetzungskraft haben. Wir fordern daher die Bundesregierung und verantwortliche Politikerinnen und Politiker der EU sowie der Mercosur-Länder auf, das Abkommen schnell zu stoppen.“

BUND-Pressestelle 8. April 2021

Eine Zusammenfassung des Berichts finden Sie hier: www.bund.net/mercosurbericht_zusammenfassung