Kreisgruppe Mettmann
Kreisgruppe Mettmann

BUNDnessel Radio vom 2.08.2020

Liebe Hörer!

Die Naturschutzverbände haben die Volksinitiative Insekten retten Artenschwund stoppen am 23.Juli angestoßen, die BUND Kreisgruppe wird dazu in allen Städten Unterschriften sammeln.

In Monheim werden Stadträder eingeführt, In Wülfrath geht es mal wieder um den Bahnhof Aprath, dem Wassermangel muss im ganzen Land begegnet werden. Im Velbert leidet der Wald unter der Trockenheit und der Deutsche Naturschutzring stellt Forderungen an die Bundesregierung,. Leider versucht die Lebensmittelindustrie den Nutriscore zu verwässern.

Unsere Beiträge können Sie im Internet auf unserer Homepage nachlesen unter: BUND-kreis-mettmann.de

Wir wünschen viel Vergnügen.

Und nun eine Mitteilung der BUND-Kreisgruppe Mettmann

„Insekten retten – Artenschwund stoppen“

Die drei großen NRW-Naturschutzverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) und Naturschutzbund Deutschland (NABU) kündigten eine Volksinitiative Artenvielfalt an. Trotz dramatischen Rückgangs vieler Insekten-, Vogel- und Pflanzenarten zeige die Landesregierung keinerlei Ansätze für eine konsequente Naturschutzpolitik. Hier helfe aus Sicht der Naturschutzverbände nur ‚Druck von außen‘. Die Volksinitiative wird am 23.Juli gestartet. Ziel ist es, konkrete Handlungsvorschläge zur Verbesserung der biologischen Vielfalt in den NRW-Landtag einzubringen.
 

„Die Artenschutzpolitik der Landesregierung ist eine einzige Fehlstelle“, sagte der BUND-Landesvorsitzende Holger Sticht. „Die Lage für die biologische Vielfalt ist zunehmend dramatisch. Wir brauchen einen klaren Kurswechsel in vielen Politikfeldern.“ Eine zentrale Bedeutung komme dabei dem Stopp des Flächenverbrauchs zu. Tag für Tag gehen in NRW etwa zehn Hektar Fläche für neue Wohn- und Gewerbegebiete, Straßenbau und die Rohstoffgewinnung verloren. „Das Credo der Landesregierung, die Wirtschaft zu ‚entfesseln‘, forciert geradezu den Verlust von Lebensräumen und Artenschwund. Wir brauchen stattdessen klare landesplanerische Vorgaben, den Flächenverbrauch perspektivisch auf netto null zu senken.“

Nordrhein-Westfalen als dichtbesiedeltes Bundesland steht hier vor enormen Herausforderungen, soll die heimische Natur nicht vollends unter die Räder geraten. „Ob Klimaschutz, Rohstoffabbau, Land- oder Forstwirtschaft und ein nicht naturverträglicher Umgang mit unseren Gewässern NRW muss an vielen Stellschrauben drehen, um den Verlust der Artenvielfalt zu stoppen“, so die NABU-Landeschefin Dr. Heide Naderer. Die Vorschriften und Gesetze zum Schutz von Arten und Lebensräumen dürften nicht aufgeweicht werden. „Im Gegenteil: Wir müssen diese Instrumente konsequent im Sinne des Artenschutzes und der Biodiversität fortentwickeln. Hierzu werden die Naturschutzverbände konkrete Vorschläge vorlegen“, so Naderer weiter.
Die NRW-Naturschutzverbände sehen nicht, dass die Landesregierung gewillt ist, sich konsequent dem dramatischen Verlust an Biodiversität entgegen zu stemmen. „Seit Regierungsantritt herrscht teils Stillstand, teils Rückschritt. Mit der Volksinitiative Artenvielfalt möchten wir die Landesregierung zum Handeln antreiben“, sagte der LNU-Vorsitzende Mark vom Hofe. „Wir setzen dabei auf eine breite Unterstützung der Bevölkerung.“ Es könne nicht immer nur die Rede davon sein, Blühwiesen anlegen und Schottergärten verhindern zu wollen, dazu bedürfe es klarer gesetzlicher Vorgaben und überzeugender Programme. „Wir spüren, dass die Bevölkerung auch so denkt - deshalb muss endlich zügig gehandelt werden. Eine Volksinitiative schafft den entsprechenden Druck“, so der LNU-Vorsitzende.

Ab dem 24.Juli wird die BUND-Kreisgruppe in den Städten des Kreises Mettmann Unterschriften sammeln!

Die Stadträder kommen!

Stadtautos gibt es schon. Und sie werden glänzend angenommen. So wird es bald überall im Stadtgebiet auch Verleihstationen für die neuen Stadträder geben. Das smarte Bike-Sharing-System ist eine der nächsten Ausbaustufen des Monheim-Passes.

Insgesamt 450 Fahrräder hat die Stadtverwaltung bestellt – mit Gans und Gänseliesel und in Monheim-Blau und Weiß. Sie werden in einigen Wochen auf  31 Stationen aufgeteilt. Um eine Anbindung an die S-Bahn zu ermöglichen, sind auch an den beiden S-Bahnhöfen in Langenfeld zwei Stationen in Vorbereitung.

Das Monheimer Bike-Sharing-System wird smart und stationsgebunden realisiert. Das heißt, die Räder können nur an einer der flächendeckend verteilten Stationen ausgeliehen werden und müssen dann auch an einer beliebigen anderen Station wieder zurückgegeben werden. Damit sind vor allem stets voll aufgeladene E-Bikes gesichert. Die Ausleihe wird sowohl für Monheimerinnen und Monheimer als auch für touristische Gäste über die Monheim-Pass-Karte und die dazugehörige App erfolgen.

Zusätzlich zu den normalen City-Bikes werden auch Jugendräder angeboten. Dazu wird es aber auch E-Bikes und sogar E-Transporträder geben, die mit einer großen Box für lokale Einkäufe bestückt sind oder mit Hilfe einer kleinen Sitzbank, inklusive Anschnallmöglichkeit, sogar die Mitnahme von bis zu zwei Kleinkindern ermöglichen.

Die Ausleihe der City- und Jugendräder wird pro angefangener halben Stunde mit 50 Cent berechnet. Die Ausleihe der E-Bikes und E-Transporträder wird jeweils einen Euro für den gleichen Zeitraum betragen. Und das Beste: „Allen Monheimerinnen und Monheimer wird automatisch jeden Monat ein Mobilitätsguthaben von 10 Euro auf den Monheim-Pass-geladen“, erläutert Bürgermeister Daniel Zimmermann. Dieses Guthaben ist allein für die Stadträder reserviert. Es ist nicht übertragbar und verfällt zum Monatsende, wenn es nicht in Anspruch genommen wurde. Zum nächsten Monat werden die 10 Euro dann einfach wieder frisch auf den Pass aufgeladen.

Im September soll ein Testbetrieb erfolgen. Dann werden die ersten Räder zwar schon im Stadtgebiet sichtbar, aber noch nicht für jedermann ausleihbar sein.

Ab dem 15. Oktober wird das Verleihsystem dann mit voraussichtlich bereits 25 voll funktionsfähigen Stationen offiziell angefahren und der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.

Quelle: 22.06.2020 Stadt Monheim Thomas Spekowius

Anschluss der Linie 601 an den S-Bahnhof Aprath

Nach vielen Jahren hat sich die Stadt Wülfrath entschlossen, den Bahnhof Aprath an Wülfrath besser anzubinden. Leider hat sich WSW mobil das Nahverkehrsunternehmen in der Stadt Wuppertal und Mitglied im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr  geweigert, einen zweiten Bus einzusetzen mit der Begründung die Fahrgastzahlen seien zu gering. Als die Stadt sich dann entschloss, ein Sammeltaxi einzurichten, weigerte sich WSW mobil sogar, die dafür notwendige Betreuung zu übernehmen "der signifikant hohe zusätzliche Aufwand bei WSW mobil sei mit dem bestehenden Personal nicht abzubilden.“

Daraufhin wandte sich der Bürgerverein und der BUND Wülfrath mit einem gemeinsamen Brief an den Betriebsführer von WSW mobil .Darin wurde nochmals und nachdrücklich auf die mangelhafte Busverbindung zum Bahnhof Aprath hingewiesen und erneut WSW mobil daran erinnert, dass mit dem Fahrplanwechsel bereits 2019 der Anschluss zum Bahnhof Aprath optimiert werden sollte. Es sei nun endlich Zeit, dieses Ziel umzusetzen, nämlich einen zusätzlichen Bus einzurichten. Das würde reichen, um die Situation nachhaltig zu verbessern.

Was kann man als Wülfrather machen, wenn man mit dem Anschluss an Aprath und Wuppertaler Stadtwerken nicht zufrieden ist? Einen Brief schreiben? Nützt nichts! Besser wäre es, das VRR-Ticket bei einem anderen Verkehrsunternehmen zu buchen! Damit kann man sicher mehr Aufmerksamkeit erreichen!

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt kurz DBU rät zu einem Paradigmenwechsel beim Wassermanagement im ländlichen Raum. „Die anhaltende Trockenheit der letzten Jahre macht es erforderlich, das Wasser in der Landschaft zu halten und Fließgewässern ausreichend Raum zu geben“, sagte Alexander Bonde, DBU-Generalsekretär bei der Jahrespressekonferenz.

In Zeiten von Hitze, Dürre und Starkregen, die der Klimawandel verursache, seien Anpassungen nötig. „Zielführend sind regionale Konzepte, die gemeinsam mit den betroffenen Akteuren aus Behörden, Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Naturschutz erarbeitet werden. Unterstützung bieten digitale Systeme, die beispielsweise die Wasserverteilung in der Landschaft virtuell darstellen“, so Bonde. Auch die Wirkung der Energiewende auf den Wasserhaushalt müsse zukünftig berücksichtigt werden. Einer Studie zufolge werde sich der Wasserbedarf im Energiesektor bis 2050 in Deutschland um die Hälfte verringern.

„Um Moore, Auen und Feuchtgebiete nutzbar zu machen, wurden in der Vergangenheit – und auch heute noch – Flächen über Gräben und Drainagen entwässert sowie Flüsse und Bäche begradigt“, gab Dr. Maximilian Hempel, DBU-Abteilungsleiter Umweltforschung und Naturschutz, zu bedenken. Folglich würde dort das Wasser schneller abfließen, und es blieben nur wenige Reserven in der Landschaft.

„Regnet es längere Zeit nicht, trocknen die Flächen immer mehr aus und der Grundwasserspiegel sinkt“, so Hempel. „Trinkwasserversorgung, Ökosysteme, aber auch Land-, Forst- und Wasserwirtschaft leiden darunter. Deshalb fördern wir Projekte in ganz Deutschland, die die Akteure zusammenbringen und Lösungen für die Regionen erarbeiten.“
Ein im jetzt veröffentlichten DBU-Jahresbericht 2019 beispielhaft dargestelltes Vorhaben drehe sich um eines der größten nutzbaren Grundwasservorkommen Nordrhein-Westfalens, den Halterner Sanden in Dorsten-Haltern. Die konkurrierenden Nutzungen würden das Grundwasser teilweise so stark beanspruchen, dass oberirdische Gewässer wie der Hammbach zeitweise trockenfallen. Um dem entgegenzuwirken, entwickelte das Unternehmen Lippe Wassertechnik (Essen) mit Partnern ein Maßnahmenkonzept, das unter anderem das Schließen von Entwässerungsgräben sowie eine Ampelkarte als Entscheidungshilfe für die Wasserentnahme enthalte. „Besonders zielführend war hier eine enge Abstimmung zwischen Landwirten, Naturschützern und Wasserversorgern“, so Hempel. Vereinbart wurden etwa eine effizientere Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen und ein Anpassen der angebauten Kulturen sowie das Renaturieren von Feuchtgebieten, um Wasser in der Landschaft zu halten.
„Ein weiteres Projekt befasst sich damit, Fließgewässern einen freien Pendelraum für ihre natürliche, eigendynamische Laufentwicklung zurückzugeben“, sagte Hempel. Begradigen und Eindeichen führe zu einem Verlust der Artenvielfalt, der Wasserqualität und verstärke die Hochwassergefahr.

Quelle: WZ 14.7.20

Velbert.

Der Bericht des zuständiger Geschäftsbereichsleiters, Forstwirt Peter Tunecke, klingt mehr als beunruhigend: Führten die extremen Dürrejahre in Verbindung mit Orkanschäden und deren Folgen dazu, dass große Teile des Waldes abgängig beziehungsweise abgestorben seien, hat sich die Lage im den letzten Monaten weiter verschärft: „Seit Mitte März fehlt jeglicher Niederschlag, am 1. April waren bereits 25 Grad Celsius erreicht. Der kontinentale Ostwind im Frühjahr hat die Böden drastisch austrocknen lassen. Quellen und kleine Bäche sind bereits trockengefallen, Grundwasserstände sind schon gesunken“, so der Forstfachmann. „Der Regen zu Beginn des Jahres konnte bei weitem den Wasserspeicher im Boden nicht mal zur Hälfte füllen.“ Die häufige und lange Sonnenscheindauer erhöhe zudem die Verdunstungsrate.

Eine weitere Folge: Die bekannten Schädlinge haben aufgrund der großen Wärme ein riesiges Vermehrungspotential, und es seien neue Schadorganismen hinzugekommen: „Betroffen sind nicht nur Nadelhölzer, die Fichte ist bereits jetzt in unseren Lagen waldbaulich aufzugeben“, befürchtet Tunecke. Vor allem Buche, Ahorn, Esche und auch die Eiche seien stark geschädigt, erkennbar an Kronenverlichtungen, ausgebrochenen Ast- und Kronenpartien, Pilz- und Schädlingsbefall bis zu abgebrochenen und umgestürzten Bäumen – es sterben Bäume unabhängig von Alter und Waldpflege. Nicht einmal 20 Prozent des Waldes seien gesund: „Das Schadmaß ist deutlicher als das durch den Orkan Kyrill, und der Holzmarkt nimmt das Holz infolge zu hoher Menge und Qualitätsverluste nicht ab.“

Neben dem Kapitalverlust nehme der Aufwand für Kontrolle und Verkehrssicherung in den gefährdeten Bereichen zu: „Mitunter müssen innerhalb von nur vier Wochen Maßnahmen in den gleichen Waldbeständen wiederholt werden“, so Tunecke. Nicht viel besser sieht es indessen in Parks und auf den kommunalen Freiflächen aus, wo durch die Trockenperioden der vergangenen Jahre Stauden und eine Reihe von Bäumen abstarben.

Als Maßnahme gegen Trockenphasen zeichnete Tunecke unter anderem neben der gezielten Versickerung von Regenwasser, das von versiegelten Flächen abfließt, die Entsiegelung von Verkehrsflächen auf, indem zum Beispiel Fußwege und Parkplätze Kies– und Splittdecken erhalten oder möglichst Rasengittersteine oder Rasenfugenpflaster verwendet werden. Als konkrete sichtbare Maßnahme zum Beispiel an Straßenbäumen hatten die TBV vor zwei Jahren Bewässerungssäcke verschiedener Größe beschafft, erläuterte TBV Vorstand Sven Lindemann. Dieser Bestand wurde jetzt um 100 Säcke mit 100 Liter aufgestockt und mit Unterstützung der Feuerwehr seit April regelmäßig befüllt.

29.6.20 WZ

Forderungen der deutschen Umweltverbände an die Ratspräsidentschaft

Im Juli 2020 übernahm Deutschland für sechs Monate die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union. Angesichts der aktuellen Krisen ist das eine große Herausforderung und Verantwortung – aber auch eine große Chance, wichtige Themen jetzt auf die Agenda zu setzen und voranzutreiben.

Wie soll die EU mit den Folgen der COVID-19 Pandemie, aber auch mit der Klimakrise, Hitzewellen, dem Artensterben und Umweltkatastrophen umgehen? Was braucht es, um langfristig ein gutes Leben für die Menschen in Europa zu ermöglichen? Wie gehen wir stärker und nachhaltiger aus der Krise als wir hineingegangen sind?

Unser aller Wohlstand ist nur in einer intakten Umwelt möglich. Unsere Infrastruktur, Ernährung, Gesundheit und zahlreiche weitere Lebensbereiche sind von der Natur abhängig. Die großen Investitionen des EU-Konjunkturpaketes müssen die Lösung der Umweltkrisen fördern, da diese Gelder weit in die Zukunft hinein wirken werden.  

 

Die wichtigsten Forderungen:

Es sollten mindestens 40 Prozent des EU-Haushalts für den Klimaschutz und mindestens 10 Prozent für Erhalt und Wiederherstellung der Biodiversität eingesetzt werden.

  1. Klimaschonende Mobilität Es braucht eine europäische Mobilitätswende mit einem möglichst hohen Verkehrsanteil auf Schiene und Schiff und einem Plan zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors. Weichen stellen für eine naturverträgliche und klimaneutrale Landwirtschaft.
  2. Gemeinsame Agrarpolitik muss endlich den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Ansprüchen im Bereich Klima-, Umwelt-, Natur- und Tierschutz gerecht werden.
  3. Artenvielfalt und Ökosysteme wiederherstellen
    Im Rahmen der EU-Biodiversitätsstrategie braucht es rechtsverbindliche, flächenbezogene Ziele für die Renaturierung von Ökosystemen. Zudem sollte das Ziel entwaldungsfreier Lieferketten gefördert werden.
  4. Wasser- und Meeresschutz umsetzen
    Die Bundesregierung muss sicherstellen, dass die Wasserrahmenrichtlinie der EU umfassend umgesetzt wird und andere Politikfelder wie Verkehr, Landwirtschaft und Chemie dahingehend angepasst werden.
  5. Eine neue industrielle Revolution vorantreiben
    Die EU-Industriestrategie muss die Wirtschaft in der EU bis 2050 auf eine vollständig ressourceneffiziente und klimaneutrale Industrie und eine echte Kreislaufwirtschaft umstellen.
  6. Eine andere Handelspolitik und Außenwirtschaftsförderung umsetzen
    Auch die Handelspolitik muss auf den Europäischen Green Deal ausgerichtet werden und Ziele wie Klimaneutralität und den Erhalt der biologischen Vielfalt unterstützen.
  7. EU-Klimaziel anheben
    Die im DNR zusammengeschlossenen Verbände fordern die klimawissenschaftlich notwendige Verantwortungsübernahme für eine Reduktion von mindestens 65 % bis 2030.

Quelle: Deutscher Naturschutzring 9.6.20

 

Die Lebensmittelampel "Nutri-Score" soll aufgeweicht werden – Foodwatch kritisiert das Vorhaben

Der Nutri Score, eine Lebensmittelampel, um gesunde von ungesunden Lebensmitteln besser unterscheiden zu können, soll nun auf Druck des Lebensmittelverbandes aufgeweicht werden. Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisiert das Vorhaben der Lebensmittelobby.

Zur Orientierung für unsere Hörer und Hörerinnen

Der "Nutri-Score" ist ein System der Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln. Eine fünfstufige Farb- und Buchstabenskala liefert einen Überblick über die Nährwertqualität eines Produktes. Dadurch soll Verbrauchern Orientierung hinsichtlich einer ausgewogenen Ernährung gegeben werden. Das System wurde 2017 von französischen Gesundheitsbehörden ins Leben gerufen. Eine offizielle behördliche Einführung in Deutschland steht zwar noch aus, allerdings haben sich die Lebensmittelkonzerne Bofrost, Danone, Iglo, McCain und Mestemacher hierzulande bereits freiwillig verpflichtet, den "Nutri-Score" auf ihre Verpackungen zu drucken.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch warnt, dass die Lebensmittelampel "Nutri-Score" verwässert werden könnte. Foodwatch-Expertin Luise Molling erklärte gegenüber MDR AKTUELL, die Industrie dränge auf eine andere Berechnung, so dass zucker- und fetthaltige Produkte künftig besser abschnitten. Laut Molling sollten zum Beispiel Säfte künftig als feste Lebensmittel berechnet werden. Damit würde ein zuckriger Traubensaft von der roten Kategorie E in die grüne Kategorie A aufsteigen. Auch bei Fleisch und Wurst könnten künftig viele salzhaltige und fetthaltige Produkte besser bewertet werden, erklärte die Expertin. Foodwatch fordert deshalb, dass Lobby-Einflüsse bei der Lebensmittelampel außen vor bleiben müssten. Wenn der "Nutri-Score" nur noch grün leuchte, dann werde er zum reinen Marketinginstrument der Industrie.

Jahrelang hatte die Industrie-Lobby gegen die verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung gekämpft. Nachdem nun immer mehr Länder – auch Deutschland – den Nutri-Score einführen wollen, heißt die Taktik jetzt: Was nicht verhindert werden konnte, muss unschädlich gemacht werden! Deswegen hat die Lobby, allen voran der Deutsche Lebensmittelverband, nun die Berechnungsgrundlagen des Nutri-Score im Visier. Diese sollen im kommenden Jahr auf europäischer Ebene überprüft werden – und hier sieht die Industrie ihre Chance gekommen, ihre unwissenschaftlichen Forderungen durchzudrücken. Das wäre fatal – denn eine Ampelkennzeichnung, die selbst zuckrigen Getränken grünes Licht gibt, verkommt dann zu einem Marketing-Instrument der Konzerne! 

Selbst Traubensaft bekäme dann ein dunkelgrünes A – obwohl er 60 Prozent mehr Zucker enthält als Coca-Cola! Und auch ein zuckriges Fertigkaffee-Getränk von Starbucks könnte sich plötzlich mit einem hellgrünen B statt einem dunkelroten E schmücken. Dabei ist ein hoher Zuckerverzehr, vor allem durch Getränke, eine der Hauptursachen für Fettleibigkeit – und nur Wasser bekommt aktuell den besten Nutri-Score A.

Natürlich: Kein Kennzeichnungssystem ist perfekt und auch der Nutri-Score kann verbessert werden. Aber die absurden Forderungen der Lobbyverbände, wonach selbst Wurst und zuckrige Getränke besser dastehen sollen, sind kein hilfreicher Beitrag zu dieser Debatte. Wir bleiben dran und machen uns dafür stark, dass der Nutri-Score auf Basis unabhängiger wissenschaftlicher Expertise weiterentwickelt wird – und nicht aufgrund eines Wunschkonzerts der Lebensmittelindustrie! Denn nur dann kann er das bleiben, als was er entwickelt wurde: Eine verbraucherfreundliche Lebensmittelampel, die es im Supermarkt auf einen Blick ermöglicht, verschiedene Produkte miteinander zu vergleichen und gesündere Kaufentscheidungen zu treffen

Quelle:

Luise Molling Campaignerin bei foodwatch

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