Kreisgruppe Mettmann
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BUNDnessel Radio vom 13.7.2020

Guten Abend, liebe Hörerinnen und Hörer, sie hören das Umweltmagazin BUNDnessel für die Hörerinnen und Hörer von Radio Neandertal. Produziert wird die BUNDnessel vom Bund für Umwelt und Naturschutz, BUND, Kreisgruppe Mettmann. Die BUNDnessel gibt es jeden ersten Sonntag im Monat um 19.00 Uhr und grundsätzlich  jeden zweiten Montag um 20.00 Uhr. Im Studio sind heute  Dorotee Kreder, Volker Förster sowie  Jürgen Lindemann. Die Musik hat  DJ Teddy aus Erkrath zusammen­ge­stellt.

Die Stadt Ratingen setzt 34 Maßnahmen des Integrierten Klimaschutzkonzeptes um. Jährlich erfolgt ein Bericht über die im Vorjahr umgesetzten Maßnahmen. Was ist im Jahre 2019 erfolgreich für den Klimaschutz getan worden, darüber wollten wir schon im April  ein Gespräch mit der Ratinger Klimaschutzmanagerin, Frau Plank, führen. Wegen der Corona-Epidemie ist das Gespräch mit Frau Plank es auf diese Sendung verschoben worden. Ferner hören Sie Kurznachrichten zum UN – Umweltpreis für eine Ratinger Initiative, zur Anpassung der Straßenbaumbepflanzung  an den Klimawandel und zum Aufwind für die Wasserstoffnutzung. Weitere Kurznachrichten handeln von der Verknüpfung der Förderung von Fluggesellschaften und Klimaschutz, von den dunklen Seiten der Goldgewinnung und von der Forderung nach einem niedrigen Strompreis.  Im Verbrauchertipp  geht es um die Überzuckerung des Frühstücks für Kinder.   Wir wünschen gute Unterhaltung

Homberger Anti-Bärenklau-Initiative erhält UN – Umweltpreis

Seit 2016 hat sich die von Dr. Axel Zweck gegründete Initiative zum Ziel gesetzt, die schädliche Pflanze Riesen-Bärenklau  im Ratingen Stadtteil Homberg zu bekämpfen. Die eingewanderte Pflanzenart ist giftig, breitet sich sehr schnell aus und überwuchert alle sonstigen Pflanzen. Zur Bekämpfung des Bärenklaus wurden von der Initiative befallende Flächen ermittelt, dort die Samenausbreitung verhindert und die Pflanzenbestände mit Handarbeit beseitigt. Seit 2019 werden die Erfolge offensichtlich. In vielen Gebieten ist die Pflanze nahezu beseitigt. Dafür wurde das Projekt mit einem Umweltpreis der Vereinten Nationen ausgezeichnet. Mit dem Umweltpreis soll der Blick  auf den Wert der Naturvielfalt und die Chancen, die sie bieten, gelenkt werden. Die ausgezeichneten Modellprojekte zeigen, wie konkrete Maßnahmen wie die Bekämpfung des Bärenklaus zum Erhalt biologischer Vielfalt praktisch aussehen können. Wir sagen herzlichen Glückwunsch.  

Drei Vorschläge, wie die europäische Union grüner wird

Mehr aus 700 Jugendliche, Forschende, Gewerkschafter, Ökonomen aus allen Ländern der Europäischen Union haben zu einem Pakt für Klima und Arbeitsplätze aufgerufen. Mit folgenden 3 Zielen:

  1. In allen EU- Staaten müssen die Subventionen und Investitionen in fossile Brennstoffe beendet werden. Alle Banken und Versicherungen in der Europäischen Union müssen transparent über ihre Aktivitäten in diesem Bereich berichten und schrittweise die Investitionen in fossile Brennstoffe beenden.
  2. Die 240 Millionen Euro, die die Europäische Zentralbank 2020 noch in den Markt pumpen wird, müssen eine Klima- und Biodiversitätsbank speisen. Diese gewährt  jedem Mitgliedsstaat zinslose Darlehen zur Schaffung von Klimaschutzmaßnahmen  und Arbeitsplätzen.
  3. Wenn jede Familie, jedes Unternehmen, jede Region klimaneutral werden soll, genügen zinslose Darlehen nicht. Sie müssen durch öffentliche Subventionen ergänzt werden. Dazu bedarf es einer europäischen Gewinnsteuer von insgesamt fünf Prozent für große Unternehmen, jeweils abhängig vom CO2-Fußabdruck. Dies würde zusammen mit anderen Eigenmitteln 100 Milliarden Euro für echte Haushaltsmittel   für Klima und Artenvielfalt einbringen.

Wasserstoff ist gefragt

Die Bundesregierung hat eine Wasserstoffstrategie beschlossen. Schwerpunkt der Strategie ist der sogenannte „grüne“ Wasserstoff. Dieser wird unter Verwendung von Ökostrom produziert. Beim sogenannten „blauen“ Wasserstoff hingegen wird Wasserstoff aus Erdgas hergestellt. Diese Herstellung von Wasser­gas  ist die teurere Art, unterläuft die Klimaziele,  und erweckt den Verdacht, dass damit nur die Nutzung fossiler Ener­gien verlängert werden soll. Im Konjunkturpaket sind 9 Milliarden Euro für den Marktumlauf bereitgestellt worden. Ein Teil der Mittel ist für internationale Partnerschaften gedacht, damit etwa in Nordafrika Wasserstoff hergestellt werden kann. Außerdem wird die Erzeugung des „grünen“ Wasserstoffes von der EEG – Umlage befreit.  Gleichwohl, die Herstellung von Wasserstoff erfordert drei- bis fünfmal so viel Energie als wenn man die erneuerbare Energie direkt nutzen würde. Deswe­gen ist es sinnvoll, die Erzeugung von Wasserstoff mit dem Ausbau erneuer­barer Energien zu verbinden. Denn dann gibt es genug überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien, der für die Herstellung von Wasserstoff genutzt werden kann. Und der Wasserstoff sollte dort zum Ersatz kommen, wo es bisher an klimaverträglichen  Alternativen mangelt. In der Stahl und Zementindustrie, im Schwerlastverkehr, in der Seeschifffahrt und im Flugver­kehr. Möglicherweise auch als Spritersatz für Verbrenner-PKW.       

Anpassung der Straßenbaumpflanzungen an die Folgen des Klimawandels

Bäume sind ein zentrales Element grüner Stadtquartiere und Straßen. Der Klimawandel stellt neue Anforderungen an die Baumpflege im städtischen Bereich. Zunehmende Stürme, Trockenzeiten und Starkregenereignisse sowie neue Schädlinge fordern den Baumbestand heraus. Die Stadt Ratingen schlägt als Reaktion darauf drei strategische Vorgehensweisen bei der Pflanzung von Straßenbäumen vor.

1. Die Auswahl der Baumarten und Baumsorten soll an die Anforderungen der Zukunft angepasst werden. Dazu kann auf verschiedene Untersuchungen und Tests zurückgegriffen werden. Zentrales Auswahlkriterium ist die Trockenheitstoleranz. Daneben sollen die Bäume auch bienenfreundlich sein.

2.  Die optimale Gestaltung der Pflanzgrube und des Wurzelraumes sowie die Auswahl und Zusammensetzung der Pflanzensubstrate sollen die Vitalität der Bäume erhöhen. Es gibt inzwischen moderne Konzepte, die dafür sowohl straßenbaulichen als auch vegetations­technischen Anforderungen gerecht werden.

3.  Der Klimawandel wird vermehrt gesundheitlich belastende Hitzeereignisse mit sich bringen.  Stadtbäume können eine aktive Maßnahme zur Verbesserung des örtlichen Klimas sein. Deswegen sollen in überhitzten städtischen Bereichen mehr Bäume gepflanzt werden.

Druck für Lieferkettengesetz   

Durch ein Lieferkettengesetz sollen deutsche Firmen, die im Ausland produzieren,  gezwungen werden, dort für  gute Arbeitsbedingungen zu sorgen. So sollen Kinderarbeit unterbunden, existierende Löhne garantiert und Umweltschäden verhindert werden. Viele deutsche Organisationen setzen sich für das Lieferkettengesetz ein. Auch im Koali­ti­onsvertrag CDU/CSU und SPD  ist ein derartiges Gesetz vorgesehen. Aber die CDU hat bisher im Ein­klang mit den großen Wirtschaftsverbänden gemauert. Doch nun hat sich der Vizefraktions­chef der Union für ein Gesetz ausgesprochen. Auch eine wachsende Zahl von Unternehmen tritt inzwischen dafür ein. Bundes-Entwicklungsminister Müller will die deutsche Präsident­schaft in der Europäischen Union sogar dafür nutzen, um ein europäisches Lieferkettengesetz zu schaffen.  Er weist darauf hin, dass die Corona-Epidemie die Problematik der Kinderarbeit in den armen Ländern verstärkt hat. Kinder schuften auf Kakaoplantagen in Westafrika. Im Kongo bauen sie in Minen Koltan für neue Smartphones ab. Jeder dritte Grabstein in Deutschland wird von Kindern in Steinbrüchen in Indien abgebaut.

Bürger und Bürgerinnen könnten draufzahlen

Das Klimapaket der Koalition sieht vor, dass das klimaschonende Kohlendioxid  einen jährlich steigenden Preis bekommt und Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas verteuert wird. Um die Belastungen der Bürger zu begrenzen, soll durch die Einnahmen aus dem neuen C02-Preis die EEG-Umlage auf dem Strompreis reduziert werden. Doch Verbraucherschützer und der Einzelhandel halten diese Maßnahme für nicht ausreichend. Sie fürchten, dass trotz dieser Entlastung durch die CO2-Bepreisung die privaten Verbraucher draufzahlen werden. Sie fordern stattdessen eine deutliche  Reduzierung des Strompreises. Sonst könnte die Energie­armut in Deutschland weiter zunehmen. Schon jetzt  gibt es pro Jahr rund 300.000 Stromsperren in Deutschland.

Giftiges Gold

Insbesondere in Krisenzeiten greifen greifen Anleger gern zu Gold. So auch während der Coronakrise. Die verstärkte Nachfrage hat den Preis für Gold in die Höhe schießen lassen. Inmitten des Goldrauschs macht die Umweltstiftung WWF auf die negativen Seiten  aufmerk­sam. Die Gewinnung von jährlich  3300 Tonnen Gold  wird mit erheblichen Umwelt- und Gesundheitsschäden bezahlt. Für den Transport werden Wälder zerstört, und der Einsatz von Blausäuresalzen schadet Gewässern und Böden. Im Amazonasbecken führen Queck­silber­einträge zu schweren Gesundheitsschäden bis hin zu tödlichen Vergiftungen. Illegale Minen gefährden dort das Land der einheimischen indigen Bevölkerung. Rund ein Viertel des Goldes wird in Klein-Minen mit häufig miserablen Arbeitsbedingungen gewonnen. Besser ist es bei zertifizierten Gold, bei dem die Bedingungen des Abbaus verbessert worden sind. Noch  erheblich umweltfreundlicher ist aber der Kauf von wiederverwerteten Altgold. Der WWF fordert deswegen Interessenten an Gold auf, gezielt nach recycelten Gold zu Fragen. Und er fordert Goldhändler auf, lückenlos Ausschluss über die Herkunft des Goldes zu geben, damit der Anleger bewusst schädliches Gold vermeiden kann.

Rettungspaket für Lufthansa ohne Klimaschutz

Mit 9 Milliarden stützt der Staat die Lufthansa. Obwohl dies den Restwert der Lufthansa um das doppelte übersteigt, soll der Staatsanteil an der Lufthansa nur 20 Prozent betragen. Ohne Einfluss des Staates darauf, wie das Unternehmen mit den Arbeitsplätzen umgeht. Ohne Einfluss darauf, was das Unternehmen für den Klimaschutz tut. Dass es beim Klimaschutz auch anders geht, zeigen die Beispiele Frankreich und Schweden. In Frankreich muss  die Air France als Ausgleich für eine Förderung von 7 Milliarden Euro einen signifikanten Beitrag zur Klimapolitik leisten.50 Prozent der Inlandflüge sollen eingestellt werden. Bis 2024 sollen die CO2-Emissionen im Binnenluftverkehr so um 50 Prozent reduziert werden. Auch die skandinavische Fluglinie SAS erhält eine schwedische Förderung von bis zu 5 Milliarden Euro nur unter der Voraussetzung,  dass der CO2 – Ausstoß deutlich und schnell verringert wird.

Protest gegen Braunkohlenabbau ging trotz Corona weiter

Ende April wollten die Anwohner mehrerer Dörfer am Rande des rheinischen Tagebaus Garzweiler mit einer Menschenkette darauf aufmerksam machen, dass der Braunkohlen­konzern RWE ihrer Meinung nach die Coronakrise nutzt, um während des Wartens auf ein Kohleausstiegsgesetz vor Ort Fakten zu schaffen. Obwohl die Teilnehmer Masken tragen und mit Bändern zwischen den Protestierenden den notwendigen Abstand einhalten wollten, wurde die Aktion verboten.  Als Plan B stellten sich die Anwohner mit gelben Kreuzen, gelben Abstandsbändern und gelben Schirmen vor ihren Häusern auf. Ein Kamerateam filmte die Aktion. Als Polizei und Ordnungsamt alarmiert erschienen, war bereits alles vorbei. Diese Aktion hat den Anwohnern das gute Gefühl gegeben, endlich einmal wieder in der Öffentlichkeit präsent zu sein. Man habe den Eindruck, alles drehe sich nur noch um Corona und an das Klima denke niemand. Der Konflikt im Rheinischen Braunkohlenrevier hat viele Aspekte. Damit der Konflikt über Corona nicht in Vergessenheit gerät, lassen sich die Anwohner einiges einfallen.    

Und nun der Hinweis für Verbraucherinnen und Verbraucher: Völlig überzuckert

Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung überschreitet der Zuckergehalt in  73 Prozente aller in Deutschland gekauften Müslis, Cornflakes und ähnlicher Getreide­produkte die von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen Werte. Diese besagen, dass in 100 Gramm nicht mehr als 15 Gramm Zucker enthalten sein sollen. Spitzenreiter der Belastung ist Kellogs smacks mit 43 Gramm Zucker auf 100 Gramm. Schlusslichter mit unter 1 Prozent Zucker sind Rosengarten Bio Beeren Müsli, ungesüßte Bio-Cornflakes von DM und Enerbio Cornflakes von Rossmann.

Jugend- und Kinderärzte fürchten, dass Fettleibigkeit und Karies noch weiter zunehmen werden. Die Folgekosten für Fettleibigkeit belaufen sich derzeit schon auf jährlich 63 Milliar­den Euro, die Kosten für Karies auf 8,4 Milliarden Euro. Mediziner und Krankenkassen fordern daher eine gesetzliche Regelung, mit der die Hersteller von Frühstücks-Getreide­mischungen gezwungen werden schrittweise den Zuckergehalt auf den WHO-Wert von 15 Prozent zu reduzieren. Freiwillige Reduzierungsversuche seien gescheitert. Außerdem müsse das Kindermarketing für ungesunde Lebensmittel verboten werden.

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