Kreisgruppe Mettmann
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Resümee einer Katastrophe

18. Juli 2021 | Flüsse & Gewässer, Klimawandel, OG Velbert, Umweltgifte, OG Erkrath, OG Haan, OG Heiligenhaus, OG Hilden, OG Langenfeld, OG Mettmann, OG Monheim, OG Ratingen, OG Wülfrath

Forderungen des BUND Velbert an die Lokalpolitik als Reaktion auf die katastrophalen Hochwasser-Ereignisse vom 14. und 15. Juli 2021

überschwemmte Straße in Velbert-Nierenhof  (Carsten Haider)

Die Klimakrise ist nun endgültig bei uns angekommen und der BUND Velbert möchte den Leidtragenden des aktuellen Hochwassers sein Mitgefühl aussprechen. Diese Katastrophe, die auf eine Reihe von Dürre-/Hitzesommern folgte, darf nicht ohne Konsequenzen bleiben. 
Das Hochwasser der letzten Tage wird von Expert*innen als extremes Hochwasser eingestuft, das etwa alle 250 Jahre auftritt (HQ250). Der offiziell tolerierte maximale globale Temperaturanstieg von 1,5 Grad impliziert, dass zukünftig ständig mit solchen Hochwassern zu rechnen sein muss. Die Problematik an sich ist zwar eine globale, jedoch kann jede Nation, Kommune, auch jeder Mensch zur Schadensbegrenzung beitragen. Gerade die Lokalpolitik ist hier gefragt. Es kann u. a. Folgendes auch in Velbert getan werden:

 

  • Global helfen durch lokales Handeln: Wir müssen ein Teil der Lösung des Problems werden und endlich beginnen, Klimaschutzmaßnahmen auch in Velbert Realität werden zu lassen. Es muss ein verbindlicher „Fahrplan zur Klimaneutralität" festgelegt werden.
  • Lokal schützen durch direktes Handeln: Für die Abmilderung der Folgen der Klimakrise direkt bei uns vor der Türe können wir in Velbert sehr wohl Vieles tun. Konkrete Beispiele sind unten aufgelistet.
  • Unterstützung der Betroffenen beim Aufbau einer wirksamen aktiven Hochwasserprävention an den Gebäuden für kommende Ereignisse.

Zum erstgenannten Punkt wurde bereits eine Menge diskutiert. Dass der Klimaschutz in weiten Teilen der Velberter Lokalpolitik einfach nicht den ausreichenden Stellenwert genießt, offenbart sich leider immer wieder. Das 2019 einstimmig verabschiedete Klimaschutzkonzept sieht nur ein Minimum der notwendigen und heute üblichen Maßnahmen zur Senkung des CO2-Ausstoßes vor. Heute soll es jedoch viel mehr darum gehen, was wir in Velbert dafür tun können, um Ereignisse, die Folge der Klimakrise sind, abzumildern. Wie wir aktuell schmerzlich erfahren mussten, sind die Gefahren, vor denen seit über 20 Jahren gewarnt wird, nun Realität geworden. Und sie kosten Menschenleben. Land auf Land ab hören wir Politiker*innen nun sagen „Das konnte doch keiner wissen“. Leider stimmt das nicht. Sie wussten es. Die Risiken wurden bewusst in Kauf genommen. „Es wird schon gut gehen“. Nein, ist es nicht. Viel Zeit zum Handeln ist vertan worden. JETZT MUSS endlich gehandelt werden. Was also können wir tun?

  • Sofortiger Stopp weiterer Versieglung im Außenbereich. Unversiegelte Flächen müssen als Versickerungsfläche zum Schutz der Bevölkerung erhalten bleiben. 
  • Flächenentsiegelung und Bepflanzung von brachliegenden, ungenutzten Flächen im innerstädtischen Bereich, wo immer es möglich ist. Bäume nehmen eine Menge Wasser auf und mildern Starkregen ab. Sie entlasten in Situationen wie den vergangenen ganz konkret das Kanalsystem und helfen so direkt dabei, das Volllaufen von Kellern usw. zu verhindern. 
  • Freihalten von Bebauung und naturnahe Gestaltung von Überflutungsflächen. Eine naturnahe Gestaltung steigert die Wasseraufnahmefähigkeit und verlangsamt die Fließgeschwindigkeit. Hochwasserereignisse werden so abgemildert.
  • Rückbau von asphaltierten Wirtschaftswegen im Wald und in der Landwirtschaft. Asphaltierte Wege verhindern ein Versickern von Wasser und beschleunigen die Entwässerung vor allem bei Starkregen. Sonst wird das Wasser in Echtzeit aus dem Gelände in Bäche und Flüsse geleitet und sofortige, heftige Überschwemmungen verursacht.
  • Stopp für den Einsatz von schweren Maschinen in unseren Wäldern. Der Einsatz von Harvester und Co sorgt für die Verringerung der Wasseraufnahmefähigkeit der Böden um bis zu 95 %. Die aktuellen Ereignisse haben gezeigt, dass sich der Einsatz dieser Maschinen nicht rentiert. Es wird hier immer mit Kosten und Wirtschaftlichkeit argumentiert. Die nun entstandenen Zerstörungen müssen in diese Kostenrechnung mit eingepreist werden. Zudem fungieren die Fahrspuren dieser schweren Maschinen genau wie Straßen und Wege als Wasserableitungssysteme. Diese Problematik wird dadurch noch verschärft, dass Harvester in Hanglagen in der Regel so eingesetzt werden, dass wir es mit vertikalen Fahrspuren zu tun haben. Auf diese Weise wird die Wasserableitung extrem beschleunigt und geschieht fast in Echtzeit.
  • Gewässerrandbereiche müssen naturnah gestaltet werden. Die Nutzung dieser Bereiche, welcher Form auch immer, muss beendet werde. Natürliche Dynamiken und Ökosysteme müssen sich selbstständig entwickeln können. So steigern wir die Wasseraufnahmefähigkeit der direkten Gewässerumgebung und mildern den Abfluss von Wasser in von uns genutzte Bereiche extrem ab.
  • Bei dem aktuellen Hochwasser ist es zu immenser Umweltverschmutzung durch Öle, Baustoffe, Farbeimer und sonstige Betriebsstoffe gekommen. Um derartige Wasserverschmutzungen zu verhindern, müssen Heizölanlagen sowie Gewerbe bzw. Lager mit wassergefährdenden Stoffen aus den Überschwemmungsbereichen entfernt werden oder einen geeigneten Hochwasserschutz vorweisen.
  • Sowohl für Bebauungen als auch für die Lagerung der vorgenannten Gefahrstoffe ist eine Berücksichtigung von extremen Hochwassern (HQ250) vorzunehmen und nicht mehr wie vormals von 100-jährigem Hochwasser (HQ100).
  • Schluss mit der Behauptung: Maßnahmen zum Klimaschutz belasten Industrie und Haushalte. Das genaue Gegenteil ist der Fall: den Velberter Bürger*innen in den betroffenen Gebieten ist ein immenser monetärer und materieller Schaden entstanden. Kleine Gewerbebetriebe und Gastronom*innen stehen vor dem Verlust ihrer Existenz – sogar große Konzerne stehen in einem Scherbenhaufen. Bei Wieland in Nierenhof muss um viele Arbeitsplätze gebangt werden.

Bestimmt gibt es noch viele weitere Ansatzmöglichkeiten zum ganz konkreten Klimaschutz. Der BUND Velbert hofft sehr darauf, dass die Lokalpolitik die Lage nun endlich ernst nimmt und die Vorschläge umsetzt und ergänzt. Wir hoffen auf Unterstützung aus der Velberter Bürgerschaft.

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