Trauer um langjährige Partner
Gisela Dalbeck und Thomas Dalbeck – ein doppelter Nachruf
Ende Januar 2026 verstarb Thomas Dalbeck in seinem 59sten Lebensjahr, keine zwei Monate nach seiner Mutter Gisela Dalbeck. Die beiden waren das Team der Mosterei Dalbeck. Gisela Dalbeck war die Seele. Sie ist nach längerer Krankheit am Anfang Dezember 2025 verstorben, in ihrem einundachtzigsten Lebensjahr. Thomas war die treibende Kraft und gab dem Betrieb die Struktur.
Wir, die Macher des „Trink-Mit-Projektes“ sind bestürzt, traurig und voller Mitgefühl für die Familie.
Thomas Dalbeck war seit den Anfängen der Aufpreis-Apfelsaft-Vermarktung Ende der 1980er Jahre der Betriebschef an der Saftpresse. Beinahe vier Jahrzehnte hatten wir in Thomas einen verlässlichen, immer freundlichen und hilfsbereiten Projektpartner. Nach der Kampagne im Herbst 2025 wollte er kürzertreten, vielleicht den Betrieb gänzlich einstellen. Eine Betriebsnachfolge war nicht in Sicht, für die saisonalen Arbeitsspitzen kaum Arbeitskräfte zu finden.
Für kleine Betriebe wie die Mosterei in Heiligenhaus-Isenbügel waren die Existenzbedingungen nie einfach. Dennoch hatte sich Thomas Dalbeck mit der Übernahme des Betriebes von seinem Onkel Ernsta Dalbeck zu Beginn der 1990er Jahre entschlossen, den Betrieb zu modernisieren, für die Abfüllung und Lagerung ein neues Gebäude zu errichten. Wir durften daran teilhaben und auf der gerade fertiggestellten Bodenplatte gemeinsam mit der Mosterei den ersten, unvergessenen Niederbergischen Apfeltag ausrichten – 1994.
Es war für die Dalbecks ein mühsamer Weg. Trotz ständig zunehmender behördlicher Auflagen und wachsender Konkurrenz in den Supermärkten und Hofläden konnte die Mosterei mit erweiterter Produktpalette und Lieferservice dennoch ein erstaunlich umfangreiches Netz an Verkaufsstellen in der Region aufbauen und bedienen. Auch die umfängliche Unterstützung des „Trink Mit“-Projektes als Dienstleister für die „Streuobst-Initiative-Niederberg“ war für die Mosterei selbstverständlich, obwohl nicht wenige Beobachter in dem „Naturschutz-Saft“ sogar eine Konkurrenz witterten und unser höherer Auszahlungspreis für angelieferte Äpfel durchaus auch der Mosterei potentielle Verkaufsmargen kostete. So durften wir uns über die langen Jahre bis zum Herbst 2025 über einen besonderen Service freuen, der die gesonderte Annahme für „unsere Äpfel“ an zuvor gemeinsam festgelegten Montagen und die anschließende Verarbeitung einschließlich Etikettierung umfasste. Und da wir unsere zeitweise um die 20.000 Saftkästen nicht sofort ausliefern konnten, ermöglichten uns die Dalbecks die frostfreie Zwischenlagerung bis zur Auslieferung an unsere Endkunden. Thomas Mitgliedschaft in der Streuobstinitiative war ihm selbstverständlich, ebenso seine Unterstützung bei den Patenschaftsobstbaumpflanzungen „So laßt uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen“ in der Mitte der 1990er Jahre.
Zum guten Image des Betriebes gehörte nicht zuletzt die familiäre Atmosphäre auf dem Betriebshof. Daran hatte vor allem Thomas Mutter, Gisela Dalbeck einen entscheidenden Anteil. Nicht nur dür uns war sie die Seele der Mosterei Dalbeck. Sie war immer da, immer freundlich, immer zuverlässig, immer anpackend, immer konstruktiv. Selbst im weit fortgeschrittenen Alter war sie sich nicht zu schade die nicht ganz leichten Paletten für die Stapelung der Leergutkisten bei der Rücklieferung selbst heranzuschleppen oder beim Laden der Neuware die schweren Saftkästen in das Transportauto anzureichen oder auch `mal außer der Reihe an verkaufsfreien Tagen eine Warenabholung zu ermöglichen. Bei der Apfelannahme behielt sie stets den Überblick und sorgte mit klaren Anweisungen und sicherem Protokoll für verlässliche und korrekte Abläufe. Bei allem Stress hatte sie immer auch ein offenes Ohr und ein ehrliches Interesse für und an allen Kunden wie auch am Geschehen in der Streuobst-Initiative Niederberg. Dabei verantwortete sie regelmäßig auch Zugeständnisse im Zahlungsziel für die für das „Trink Mit-Projekt“ produzierte Ware. Ihr Einsatz „an der Front“, also im Kundenkontakt, läßt erahnen, welche zentrale Bedeutung Gisela Dalbeck in dem Familienbetrieb der Mosterei gehabt hat, und es ist in den letzten Jahren nicht verborgen geblieben, dass die Aufrechterhaltung des Betriebes zuletzt ohne ihren Beitrag immer schwieriger geworden ist. Gut vorstellbar, daß das Fehlen Ihres Rates und Zuspruchs auch Thomas mehr als zu schaffen gemacht hat.
Wir können nur dankbar sein, dass wir für unser niederbergisches Apfelsaft-Aufpreisvermarktungsprojekt die Offenheit und Unterstützung von Gisela und Thomas Dalbeck ihre Unterstützung genießen durften. Sie mögen in Frieden ruhen.
Jörg Haafke
Warum Streuobstwiesenschutz?
Streuobstwiese im Herbst
(Renate Späth)
Streuobstwiesen sind vielfältige, artenreiche Lebensräume. Gleichzeitig sind sie landschaftliche Kleinode, die die Kulturlandschaft durch ihre Blütenpracht im Frühling und die Früchte im Herbst ästhetisch anreichern.
Ihre extensive Nutzung (Wiesenpflege, Obstbaumschnitt, Obsternte, Imkerei) leistet einen wertvollen Beitrag zum Erhalt alter regionaler Obstsorten, die nicht chemisch behandelt werden.
Noch bis 1945 waren die hochstämmigen Streuobstwiesen in landwirtschaftlichen Betrieben die Basis für die Obsterzeugung. Nach dem 2. Weltkrieg ging die betriebswirtschaftliche Bedeutung der Streuobstwiesen stark zurück. Landwirtschaft und Obstbau wurden eigenständige Betriebszweige und der Obstbau konzentrierte sich fortan in intensiv gepflegten Niederstamm-Plantagen.
Der Apfel wurde EU-weit zum standardisierten Handelsprodukt. Von nun an kam es vor allem auf hohe und gleichbleibende Erträge, gleichmäßiges Erscheinungsbild in Form und Größe, gute Lagerungs- und Transportfähigkeit sowie Eignung zur maschinellen Sortierung an. Die Sortenvielfalt ging verloren, da die Pflege der Streuobstwiesen sowie die Obsternte für die heimischen Obstbauern zu teuer wurden, um der internationalen Konkurrenz standzuhalten.
Im Zusammenhang mit Umweltbildung, Umwelterleben und Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) bieten Streuobstwiesen vielfältige Anlässe, natürlicher Prozesse und Kreisläufe konkret erlebbar zu machen. Körperliche Betätigung ist notwendig beim Obstbaumschnitt, bei der Mahd oder der Obsternte. Im Schuljahresverlauf bieten Streuobstwiesen immer wieder Themen für unterschiedliche Unterrichtsfächer und Kompetenzerwerb.
Besonders hervorzuheben ist dabei das Thema Insekten, insbesondere Honigbienen, denn die Bedeutung der Honigbiene sowie der Wildbienen für die Bestäubung der Obstblüten und die Erzeugung regionaler, gesunder Lebensmittel ist ein spannendes und sinnliches Thema.
Die Imkerei auf der Streuobstwiese ermöglicht, die Natur im Jahreszeitenverlauf bewusster und exakter wahrzunehmen, da Phänomene wie die Blüte vieler Pflanzen, die Wetterentwicklung, Temperaturschwankungen, aber auch Umweltveränderungen beobachtet werden können.