Informationsveranstaltung: "Unser Wasser und PFAS"

"Unser Wasser und PFAS"

„Unser Wasser und PFAS“

Veranstaltungszusammenfassung:

PFAS – Eine Herausforderung für Umwelt und Gesundheit

Informationen und Hintergründe zu per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen vom BUND Langenfeld 

Die BUND Ortsgruppe Langenfeld lud am 28.10.25 zur Informationsveranstaltung „Unser Wasser und PFAS“ ein. 

Im Mittelpunkt des Abends stand das Thema der Wasserqualität in Langenfeld und die Bedeutung von PFAS. Als Referentinnen konnten wir Frau Dr. Lackermeier von dem Verbandswasserwerk Langenfeld-Monheim sowie Angelika Horster (BUND AK Utox), Dr. Gottfried Arnold (BUND AK Utox) und Dr. Walther Ensslin, Mitglied im BUND begrüßen.

Was sind PFAS?

Angelika Horster führte in die Thematik ein: PFAS, die per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen, sind chemische Verbindungen, die sich durch ihre besondere Stabilität auszeichnen: Sie sind langlebig, mobil, toxisch und bioakkumulierend. PFAS finden sich in tausenden Verbraucherprodukten und technischen Anwendungen, etwa in Outdoor-Bekleidung, Kochgeschirr, Lebensmittelverpackungen oder Feuerlöschmitteln. Bemerkenswert ist ihre Omnipräsenz – sie werden in allen Umweltmedien, selbst in entlegenen Gebieten, in Biota und im Menschen nachgewiesen. Nach aktuellen Schätzungen umfasst die Stoffgruppe über 10.000 Einzelsubstanzen, von denen bislang weniger als 20 gesetzlich reguliert sind.1

Gesundheitsgefahren durch PFAS

Dr. Arnold stellte klar: PFAS belasten nicht nur die Umwelt, sondern stellen auch eine erhebliche Gefährdung für unsere Gesundheit dar. Untersuchungen zeigen, dass mittlerweile praktisch jede Person in Deutschland PFAS im Blut hat. Besonders alarmierend sind die Ergebnisse bei jungen Menschen: 

Zum Beispiel:

Bei ca. 10% der Kinder und Jugendlichen der Kinderarzt-Praxen in der EU besteht ein statistischer Zusammenhang zwischen der vorgeburtlichen Einwirkung von PFAS und ihrer Fettleber.2

Die amerikanische Gesellschaft zur Studie von Lebererkrankungen erwartet aufgrund der Daten von 2015 eine weltweite Zunahme bis 2030 von Nicht-alkoholischer Fettleber um 33,5%, von dekompensierter Leber–Zirrhose um 168% und von Leberkrebs um 137%.3

20 % der Kinder und Jugendlichen weisen sehr hohe PFAS-Konzentrationen im Blut auf. Für jedes fünfte Kind können gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht ausgeschlossen werden. PFAS sind langlebige Verbindungen, die sich als sogenannte "Ewigkeitschemikalien" im Körper anreichern und kaum abgebaut werden. Mit fortschreitender Zeit steigt die Konzentration der Stoffe im Organismus, sodass das Überschreiten kritischer Schwellenwerte nur eine Frage der Zeit ist.

PFAS in der Umwelt: Belastete Orte und Hotspots

Die Umweltbelastung durch PFAS wird zunehmend besser dokumentiert, sagte Dr. Ensslin. In Deutschland wurden über 1.500 verschmutzte Orte und rund 300 Hotspots mit erheblichen Gesundheitsrisiken identifiziert. Der BUND nennt hierzu konkrete Beispiele: So kam es etwa am Düsseldorfer Flughafen durch den Einsatz von PFAS-haltigen Löschschäumen bei einem Großbrand zu einer Kontamination von Böden und Grundwasser. Auch andere Standorte, wie etwa Leverkusen, sind betroffen. Die Problematik ist weitreichend und betrifft Regionen im ganzen Land.4

Wie bewerten wir die Situation in Langenfeld?

Frau Dr. Lackermeier stellte verschiedene PFAS Gruppen vor, die regelmäßig untersucht werden. Nach Angaben des Verbandswasserwerks Langenfeld-Monheim steigen die Werte für verschiedene PFAS-Gruppen stetig, liegen aber aufgrund gründlicher und intensiver Reinigung im Normbereich.5

Dr. Gottfried Arnold bemerkte jedoch im Nachgang: „Tatsache ist aber, dass die Grenzwert-Festlegung verständlicherweise sich jeweils auf eine einzige Substanz bezieht wie z.B. Nitrat im Trinkwasser. Dazu gibt es entsprechende Untersuchungen und Daten. Sehr viel komplizierter wird es schon, wenn man nur 2 oder 3 Substanzen einer Klasse (PFAS) beobachten will: dafür gibt es überhaupt keine Normwerte. Sehr wenige Arbeiten beschäftigen sich mit der schwierigen Frage, was passiert, wenn 2 oder 3 (von den 10.000 PFAS) in einem Körper zusammenwirken: Addieren sie sich oder potenzieren oder schwächen sie sich gegenseitig ab? Solche Fragestellungen können nur durch langwierige und daher kostspielige und von Anfang an sorgfältig auf die Beantwortung eines ursächlichen Zusammenhanges hin angelegtes Studiendesign beantwortet werden: prospektive, longitudinale Untersuchungen. Je größer die Anzahl der Stoffe, desto komplizierter wird die Fragestellung bis man wissenschaftlich vor der Komplexität "abschnallen" muss: Die Frage ist so wissenschaftlich exakt nicht zu beantworten. Was aber ist die reale Situation eines erwachsenen Menschen oder eines ungeborenen Kindes? Eine Vielzahl ähnlich wirkender Stoffe (z.B. hormonaktive) der Gruppe der PFAS, von Pestizid-Rückständen, von Mikro-Nanoplastik-Partikeln oder -Chemikalien kommen zu den vom Straßenverkehr eingeatmeten Feinstaub- u. Abgas- u. Autoreifenabrieb-Partikeln in unsere Atemwege. Einen bestimmten Anteil davon nehmen wir auf, gelangt ins Blut, in andere Organe, die Plazenta, den Fötus.
Grenzwerte (auch wenn man die Gruppe der 20-PFAS aus dem Trinkwasser oder die 4-er Gruppe der EFSA nimmt) sind mit großen Unsicherheitsfaktoren berechnet und geben nicht im Entferntesten die tatsächliche menschliche Schadstoff-Belastung (Gesamt-Exposom) wieder.“

Dr. Walther Ensslin sagte: „Es ist viel schlimmer.“

Erschreckend findet er die Nachricht, dass das Regenwasser weltweit nicht mehr zum Trinken geeignet ist wg. einer erhöhten Menge an PFAS!6 

Mein persönliches Fazit nach dieser Veranstaltung ist: 

Wir müssen das Thema vertiefen und mehr über PFAS erfahren.

 Was bedeutet PFAS für Tiere und Menschen?

  › Der BUND ist schon sehr im Thema und stellt Forderungen auch auf europäischer Ebene.7

  Welche Bedeutung hat das Thema auf unserer regionalen Ebene?

  Was können wir als BUND Langenfeld und als Verbraucher tun?

Das sind Fragen, die noch viel mehr und differenziert betrachtet werden müssen.

Wir denken über die Einrichtung einer Arbeitsgruppe für Monheim und Langenfeld zu dem Thema nach. Wer kann sich vorstellen mitzudenken?

Dr. Ludwig Wenzel, Sprecher der BUND Ortsgruppe Langenfeld

Januar 2026

 

1 https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/zur-dringlichkeit-einer-beschraenkung-der-ewigkeits-chemikalien-pfas/

2 Stratakis N et al. (2020), Prenatal Exposure to Perfluoroalkyl Substances Associated With Increased Susceptibility to Liver Injury in Children. Hepatology. https://doi.org/10.1002/hep.31483

3 Estes C et al. (2017), Modeling the epidemic of nonalcoholic fatty liver disease demonstrates an exponential increase in burden of disease. Hepatology. https://doi.org/10.1002/hep.29466

4 https://www.bund.net/themen/aktuelles/detail-aktuelles/news/bund-deckt-einleitung-von-pfas-verseuchten-abwaessern-auf-lanxess-konzern-stoppt-produktion-am-chempark-leverkusen/

5 https://www.stw-langenfeld.de/wp-content/uploads/2025/05/202505-Trinkwasseranalyse-Verbandswasserwerk-Langenfeld-Monheim.pdf

6 https://www.bund.net/themen/aktuelles/detail-aktuelles/news/giftige-chemikalien-in-regenwasser-nachgewiesen/

7 https://www.bund.net/themen/aktuelles/detail-aktuelles/news/pfas-offener-brief-an-eu-kommissionspraesidentin-ursula-von-der-leyen/