Kreisgruppe Mettmann
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Aktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit: So viel Du brauchst!

10. März 2021

Digitalis: eine Pflanze mit tödlichem Gift, die aber auch Insekten mit Nahrung versorgt und Menschen heilt. Wer hat als Kind nicht einmal heimlich den Finger in eine Blüte gesteckt in der spannenden Erwartung, vielleicht kurz darauf tot umzufallen? So vielsagend die Bedeutung des Fingerhuts, so vielversprechend auch die Erwartungen an die Digitalisierung in heutiger Zeit. Was kann sie, was kann sie nicht?

Hummel auf der Suche nach Digitalis-ierung  (C.Roth)

4. Woche - Rettet uns die Digitalisierung?

Digitalisierung ist ursprünglich die Umwandlung analoger Werte in digitale Formate. Ein gedrucktes Buch wird zu einer Datei auf dem E-Book-Reader, eine Schallplatte wird zur Datei auf dem PC. Ich brauche keine Schrankwand um beides aufzubewahren und keine Spezialgeräte wie einen Plattenspieler, um die Musik zu hören. In neuerer Zeit versteht man darunter die auch Nutzung der Möglichkeiten, die dies mit sich bringt. Ein digitaler Antrag spart mir den Weg zur Behörde. Ich brauche kein Papier, keinen Drucker,  muss keinen Brief versenden, und kein Postbote muss meine Informationen durch die Gegend transportieren.

Eine digitale Weltklimakonferenz verhindert, dass tausende von Unterhändlern um die Welt jetten, um dann nichts zu beschließen. So bleiben alle zu Hause, es wird auch nichts beschlossen, aber wenigstens wurde der Flugverkehr reduziert.

Die Digitalisierung bringt dann Vorteile, wenn sie sie gleichzeitig einen Verzicht auf die Inanspruchnahme auf Ressourcen bewirkt. Dann kann sie ein echter Beitrag zum Klimaschutz sein. Tritt sie aber in all ihren Erscheinungsformen nicht als Ersatz, sondern als ein zusätzliches Angebot hinzu, schlagen die Vorteile schnell ins Gegenteil um.

Digitale Geräte werden lange vor dem Ende ihrer Nutzbarkeit entsorgt, um sie gegen ein Gerät der neuen Generation auszutauschen. Folge: Der Einsatz von Rohstoffen steigt.

Statt „mal zu telefonieren“, um wichtige Informationen weiterzugeben, sind wir rund um die Uhr erreichbar und versenden alle Informationen, egal wie wichtig. Folge: Der Datenverkehr und damit der Energieverbrauch nimmt zu.

Im Fernsehzeitalter haben 30 Redakteure deutscher Sender entschieden, was gerade auf dem Bildschirm zu sehen ist. Danach war die Sendung vorbei. Nun entscheidet jeder für sich, was er sehen möchte. Und wann er es sehen möchte. Folge: In riesigen stromfressenden Rechenzentren werden rund um die Uhr gigantische Datenfluten vorrätig gehalten und auf Anforderung bereitgestellt.

Also:

Die Digitalisierung hat vieles verändert und wird es vermutlich auch künftig noch tun. Sie wird uns aber nicht aus der Klimakrise retten. Statt uns im digitalen Netz zu verlieren, sollten wir mal vor die Türe zu gehen, um eine Hummel auf Nahrungssuche in einem Fingerhut zu beobachten. Möglicherweise helfen wir so auch dem Klima.

 

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