Kreisgruppe Mettmann
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Schwerpunktthema - L239 Ausbau nur pro Autoverkehr - wo bleiben Radfahrer und Fußgänger?

Das alte Leid - nur Autos im Fokus - umweltverträglichere und schwächere Verkehrteilnehmer nicht im Blick

Guten Abend, liebe Hörerinnen und Hörer, sie hören das Umweltmagazin BUNDnessel für die Hörerinnen und Hörer von Radio Neandertal. Produziert wird die BUNDnessel vom Bund für Umwelt und Naturschutz, BUND, Kreisgruppe Mettmann. Die BUNDnessel gibt es jeden ersten Sonntag im Monat um 19.00 Uhr und  jeden zweiten Montag um 20.00 Uhr. Im Studio sind heute   Volker Förster und Dorothee Kreder sowie  Jürgen Lindemann. Die Musik hat  DJ Teddy aus Erkrath zusammen­ge­stellt.

Jede und Jeder von Ihnen, der schon einmal durch das Schwarzbachtal zwischen Mettmann und Ratingen gefahren ist, weiß, in welch schlechten Zustand die Landstraße 2039 zwischen Ratingen-Auffahrt A 44 und Ortsteil Nussbaum Autobahnbrücke A 3 ist. Derzeit läuft ein Planfeststellungsverfahren zur Verbreiterung der Straße auf 6,50 Meter. Der Haken dabei ist, dass die laufende Planung keinen Radweg vorsieht. Über die sich dazu stellenden Fragen sprechen wir mit Peter Martin vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub ADFC. Ferner hören Sie Kurznachrichten  zum Heiligenhausener Klimaschutzkonzept, zu einem blühenden Garten trotz wenig Wasser in Hilden  und zur Diskussion um die Flussvertiefungen. Weitere Kurznach­richten handeln  von unzureichenden Klimaschutz  im Verkehrsbereich, von der Klimakarte in Österreich und von der Schädigung der Böden.  Der Verbrauchertipp benennt 7 Tipps für Klimaschutz im Alltag. Wir wünschen gute Unterhaltung.

Sie hörten das Umweltmagazin BUNDnessel. Im Studio waren  Volker Förster und Dorothee Kreder sowie Jürgen Lindemann. Die Musik hat DJ Teddy aus Erkrath zusam­mengestellt. Wir danken unserem Interviewpartner Herrn Peter Martin.  

Oase  trotz  Trockenheit

Viele Gartenbesitzer sind an der Dürre dieses Jahres verzweifelt. Sie gießen und gießen, obwohl in vielen Regionen Wasser knapper wird. Nicht so bei Peter Janke aus Hilden. In seinem Garten sprießt und gedeiht es überall. Und das, obwohl er nur viermal im Jahr einzelne Bereiche gießt. Andere Bereiche bekommen gar nichts. Um das zu erreichen, müssen nur wenige Regeln beachtet werden. Hauptregel: Die richtige Pflanze für den richtigen Standort. Gartenbesitzer müssten die Beschaffenheit des Bodens genau kennen und dafür die richtigen Pflanzen aussuchen. Sie müssten daher den idealen Standort einer Pflanze wissen. Es sei falsch, den Boden offen zu halten. Wo alles mit Pflanzenmatten belegt sei, sei es viel kühler. Wichtig sei auch der Einsatz von Mulch, aber auch von Split, Sand und sogar Kies. Kies beispielsweise reflektiere das Sonnenlicht, es sei an der Oberfläche heiß, aber im Wurzelbereich kühl. Relevant sei es auch, die Lichtverhältnisse, die die Pflanzen idealiter benötigen, in die Planung einzubeziehen. Und Peter Janke aus Hilden erzieht seine Pflanzen. Sie müssen dem Wasser im Boden hinterherwachsen. Bei Bewässerungssystemen blieben die Wurzeln hingegen an der Oberfläche, im zu warmen Bereich.

Überlebenshilfe für den Planeten

Unter diesem Titel hat der „club of rome“ einen neuen Report herausgegeben. Darin werden 2 Szenarien  im Zeitraum 1980 bis 2100 untersucht. Im ersten Szenario werden die Entwick­lungen der letzten 40 Jahre fortgeschrieben. Mit fatalen Folgen für das soziale Miteinander, Umwelt und Klimaschutz. Im Gegenmodell des 2. Szenario wird das Zwei-Grad-Ziel erreicht, die Weltbevölkerung wird bei deutlich unter 9 Milliarden stabilisiert, der Materialverbrauch wird reduziert. Das Ende extremer Armut ist 2050 erreicht. Fünf  große Kehrtwenden seien dazu notwendig: Erstens die Überwindung der Armut durch eine Reform des internationalen Finanzsystems, um 3 bis 4 Milliarden aus der Armut zu holen. Zweitens Verringerung der Ungleichheit – die reichsten 10 Prozent dürfen nicht mehr als 40 Prozent des Nationaleinkom­mens erhalten. Drittens die Umstellung auf saubere Energie, bis 2050 Netto-Null-Emissionen. Viertens die Stärkung der Rolle der Frauen – volle Gleichstellung bis 2050 und fünftens Umgestaltung der Nahrungsmittelproduktion.

Streit um Vertiefung der Flüsse

Die Trockenheit des Sommers hat zu sehr niedrigen Wasserständen in den Flüssen geführt. Forderungen aus Politik und Wirtschaft  gehen deswegen dahin, die Flüsse weiter zu ver­tiefen. Die anhaltende Trockenheit und das Niedrigwasser bedrohten die Versorgungs­sicher­heit, so die deutsche Industrie.. Auch Bundesverkehrsminister Wissing, FDP,  will schnell eine Vertiefung des Rheins durchsetzen. NRW –Umwelt- und Verkehrsminister Krischer, Grüne,  hält nichts davon.  Eine tiefere Wasserrinne nütze nichts, wenn der Fluss kein Wasser führt. Umweltverbände befürchten durch eine Vertiefung erhebliche ökologische Schäden. Die Vertiefung sei nicht mit dem Ziel der Europäischen Union vereinbar, Flüsse in einen guten Zustand zu versetzen. Durch eine Fahrrinnenvertiefung sinke der Grundwasser­spie­gel, das Wasser fließe schneller ab.  Die Auswirkungen auf den Flusslebensraum als wichtiger besiedelter Raum für kleine Lebenswesen seien verheerend. Schiffe und Logistik müssten dem Fluss angepasst werden, nicht der Fluss dem Schiff.   

LKW – Verkehr im Schwarzbachtal

Der fehlende Radverkehr ist nicht das einzige Problem bei der Planung zur Erweiterung der L 239 im Schwarzbachtal. Der Landesbetrieb Straßenbau will nach Abschluss der Erweiterung dort LKW- Verkehr, der jetzt verboten ist, wieder zulassen. Dass ist auf jeden Fall unzu­mutbar, solange kein Radweg vorhanden sind. Es ist aber auch sonst in dem engen Tal sehr  problematisch. Die Zweifel werden dadurch gestärkt, dass in den Planunterlagen ein wesent­licher Teil des zukünftigen LKW-Verkehrs gar nicht erfasst wird. Nicht erfasst wird der LKW – Verkehr aus Mettmann-West Richtung Ruhrgebiet und umgekehrt. Ein Teil der LKWs  wird es vorziehen, anstatt über die kurvige B 7 zur Autobahnauffahrt Mettmann und dann auf die stauanfällige Autobahn A3 zu fahren die kürzere Strecke durch das Schwarz­bach­tal zur A 3 in Ratingen-Ost zu fahren. Und sind die Autobahnen um das Autobahnkreuz Hilden bis zum Autobahnkreuz Ratingen-Ost wie häufig zugestaut, wird  ein größerer LKW – Anteil die Schwarzbachtalstrecke als großräumige Entlastung nehmen. Deswegen gibt es Bemühungen  aus der Politik wie von dem Landtagsmitglied Elisabeth Müller-Witt, auch zukünftig den LKW-Verkehr aus dem Schwarzbachtal herauszuhalten.

Österreich macht es vor

In Deutschland wird immer noch über den Anschluss an das Neun-Euro-Ticket diskutiert. In Österreich ist man weiter. In Wien gibt es seit 2012 dass 365 Euro Ticket für den Nahverkehr, 1 Euro pro Tag. Die Zahl der Reisenden mit dieser Karte hat sich in den 10 Jahren seitdem verdreifacht. Nun gibt es eine landesweite gültige Klimakarte.  Sie ist allerdings nicht ganz so günstig. Die Karte kostet 1095 Euro, also 3 Euro pro Tag. Studierende und Personen über 65 Jahren zahlen 821 Euro. Auch dieses Angebot wird angenommen.  Aktuell wurden rund 190.000 Klimatickets verkauft.

Klimaschutzkonzept Heiligenhaus

Seit dem Jahr 2021 arbeitet die Stadt Heiligenhaus an einem Klimaschutzkonzept. Bis Ende des Jahres muss das Konzept stehen, damit die Erstellung gefördert werden kann. Im August präsentierte die Stadt einen Zwischenbericht per Videokonferenz. Darin flossen aufbauend auf der Energiebilanz und einer Potentialanalyse die Ergebnisse mehrerer workshops ein. Ein Ziel: Die Reduzierung der Treibhausgasemissionen im Strom- und Wärmebereich der städ­tischen Gebäude auf null Prozent bis zum Jahre 2030. Stadtweit soll im Strombereich der Anteil der erneuerbaren Energien erheblich ansteigen. Außerdem sind verschiedene Maß­nahmen zur Energieeinsparung im Wärmebereich vorgesehen. Bei der Mobilität ist der Ausbau des Fahrradverkehrs und des Busverkehrs vorgesehen. Im Rahmen eines Quartier­konzeptes sollen Maßnahmen gebündelt werden, um Hausbesitzer und ausführende Hand­werks­betriebe zusammenzuführen. Im September stellte die Stadt im zuständigen Ratsaus­schuss 25 Maßnahmen vor, die primär verfolgt werden sollten. Darunter eine Maßnahme der Stadtwerke. Auf 8 ha Freifläche links und rechts der Autobahn 44 soll eine Photo­vol­ta­ik­anlage errichtet werden. Erhoffte Leistung bis zu 10 Megawatt.  Weitere angepeilte Maß­nahmen sind weniger Energieverbrauch bei der Straßenbeleuchtung, die Biomasse­verwendung und die Erarbeitung von Klimaschutzkriterien für die Bauleitplanung.

Verwüstung nimmt dramatisch zu

Das Sekretariat der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung hat festgestellt, dass 70 Prozent der Landfläche weltweit vom Menschen verändert worden sei. Bereits 40 Prozent sind geschädigt und nicht mehr so fruchtbar wie ursprünglich. Hauptursache für den schlechten Zustand der Böden seien nicht nachhaltige Praktiken in der Landwirtschaft. Unsere globalen Lebensmittelsysteme seien für 80 Prozent der Entwaldung und 70 Prozent des Süßwasserverbrauches verantwortlich. Der Report schlägt als erste Alternative vor, 35 Prozent der Landfläche der Erde wieder in Stand zu setzen. Positive Folge wäre, dass sich die Fruchtbarkeit der Böden in den meisten Ländern des Südens um fünf bis 10 Prozent verbessern würde. Auch würde die Bodennutzung helfen, überflüssiges C02 aus der Luft zu speichern. Der Nachteil: Die Artenvielfalt würde wegen der verstärkten Landnutzung weiter zurückgehen. Deswegen wird in einer zweiten Alternative vorgeschlagen, eine Fläche so groß wie Indien und Pakistan zusammen unter Schutz zu stellen. Es handelt sich um Gebiete mit großer Biodiversität und wichtige Gebiete für die Wasserregulierung. Der Nachteil: Die Erträge müssten als Ausgleich auf den verbliebenen Agrarflächen um 10 Prozent gesteigert werden. Und Nahrungsmittel würden teurer. 

Expertenrat für Klimafragen kritisiert Verkehrsministerium

Der Gebäude- und der Verkehrssektor haben im vergangenen Jahr  die nach dem Bundes­klimaschutzgesetz vorgesehenen Emissionsziele verfehlt. Durch  Sofortprogramme sollen die Defizite behoben werden. Der Expertenrat für Klimafragen urteilt, dass  dabei  der Gebäude­sektor wenigstens versuche, wieder auf den Pfad der Klimaschutzziele zu gelangen. Aber auch hier komme es  in den nächsten Jahren noch bis zu Überschreitungen. Vernichtend fällt das Urteil über den Verkehrsbereich aus. Das Konzept  sei schon im Ansatz ohne hinreichen­den Anspruch. Es wolle nur die Überschreitungen aus dem vergangenen Jahr einholen. Die Pläne würden so bis 2030 nur 14 Megatonnen an Treibhausgasemissionen einsparen. Das sei nur ca. 6 Prozent der notwendigen Einsparungen im Verkehrsbereich.  Die deutsche Umwelt­hilfe hat deswegen Klage gegen das Verkehrssofortprogramm eingelegt. Ein gesetzeskonfor­mes Sofortprogramm komme nicht ohne Tempolimit, Stopp der Dienstwagenförderung und einen massiven Ausbau des Bahn- und Busverkehrs mit einem 365-Euro Klimaticket aus.

Sieben Tipps für den Klimaschutz im Alltag

  1. Bei einer Mietwohnung mit Balkon auf der Südseite bietet sich eine Stecker-Solaranlage an. Man kann damit rund 5 Prozent der Stromrechnung ersparen.
  2. Pflanzliche Produkte essen. Sie verursachen nur etwa ein Zehntel  der klimaschäd­lichen Gase wie tierische Produkte.
  3. Bio-Lebensmittel bevorzugen. Mineralische Stickstoffdünger und chemisch-synthetische Pestizide sind mit einem hohen Ausstoß von klimaschädlichen Gasen verbunden. Biobauern setzen sie nicht ein.
  4. Saisonale und regionale Freilandprodukte wählen. Bei Waren aus Gewächshäusern fallen 30 mal mehr schädliche Klimagase als im Freiland an. Außerdem werden lange Wege etwa mit dem Flugzeug erspart.
  5. Reste essen. Zehn Prozent der Treibhausgasemissionen  werden durch Lebensmittelverschwendung verursacht.
  6. Klimafreundliche Küchengeräte einsetzen. Nicht weniger als 45 Prozent des Stromverbrauchs gehen auf das Konto der Haushaltsgeräte. Mit dem EU-Label ist es einfach, die niedrigste Energieverbrauchsklasse zu finden.
  7. Nicht mehr funktionierende Elektrogeräte nicht wegschmeißen und ein neues kaufen, sondern reparieren lassen.