Wo sind all die Käfer hin? - Insektenschwund in Deutschland

30. November 2018 | "Hilden blüht auf für Biene & Co.", Langenfeld summt, Naturschutz, Tiere und Pflanzen

Im Jahr 2017 hat eine Publikation des Entomologischen Vereins Krefeld (EVK) zum Insektenrückgang für Aufsehen gesorgt. Die Untersuchung lieferte den wissenschaftliche Beleg für eine allmähliche Entwicklung, die jeder schon bemerkt hat, der 100 km über die Autobahn gefahren ist und danach immer noch eine insektenfreie, saubere Windschutzscheibe hatte. Doch wie lässt sich die Entwicklung stoppen?

 (C. Roth)

Rund 60 Bürger*innen haben sich bei unserer Informationsveranstaltung am 30. November inspirieren lassen.

Holger Pieren, Biologische Station Haus Bürgel-Stadt Düsseldorf-Kreis Mettmann e.V., nannte eine Reihe von möglichen Ursachen. Sie reichen von

  • landwirtschaftlichem Strukturwandel
  • Einsatz von Pflanzenschutzmitteln
  • Nährstoffeinträgen aus der Luft
  • Lichtverschmutzung
  • invasiven Arten und
  • Gewässerqualität bis zum
  • Klimawandel.

Kommunen könnten viel erreichen, wenn sie sich bei der Pflege von öffentlichen Grünflächen und Straßenrändern wieder mehr auf traditionelle Methoden besinnen würden. Die heute übliche kostensparende Mulchmahd, bei der alles Grün kleingehäckselt wird und auf den Flächen liegen bleibt, bedeutet den sicheren Tod für viele Insekten. Er plädierte für den Einsatz von althergebrachten Messerbalkenmähern, bei denen das Gras lang abgeschnitten wird, noch einige Tage liegen bleibt und dann abgeräumt wird. Dies verursache zwar meistens mehr Kosten, bringe aber einen immensen Gewinn für die Qualität der Flächen.

Hubert Gamsjäger, engagierter Hobbygärtner aus Ratingen, berichtete, wie er eine 400 Quadratmeter große Fläche auf dem Betriebsgelände der Rheinbahn in Mettmann in vielen Jahren Arbeit zu einem Blumenparadies verwandelt hat. Mit unzähligen selbst gezogenen Pflänzchen und viel Ausdauer und Energie hat er dort ein wahres Eldorado für Pollen und Nektar suchende Insekten erschaffen.

Claudia Roth, Vorstandsmitglied der BUND-Kreisgruppe gab viele Anregungen für privates Engagement. Ob Gartengestaltung, Baumpatenschaft oder urbanes Gärtnern im öffentlichen Raum - wer möchte, findet fast überall ein passendes Betätigungsfeld.

In der anschließenden engagierten Diskussion zeigte sich ein breites Stimmungsbild. Von Fragen zum Bau eines funktionstüchtigen Insektenhotels bis zum Aufruf, die Politik endlich zum Handeln zu bringen, handelten die Wortmeldungen. Sie machten deutlich, dass neben dem Wunsch zum privaten Engagement auch klare Forderungen an Politik und Gesetzgeber bestehen, die Weichen für ein wirksames "Aktionsprogramm Insektenschutz" zu stellen.

 

 

 

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